Bereits mehr als 1.500 "virtuelle Jus-Studenten" an der Uni Linz

15. Jänner 2004, 11:39
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2.500 Studierende bis zum Jahr 2006 geplant

Studieren – wann immer und wo auch immer. Seit Oktober 2002 bietet die Linzer Johannes Kepler Universität diese Form der Lehre mit dem "Multimedia-Diplomstudium der Rechtswissenschaften" an. Das gesamte Studium kann somit "online" über das Internet und "offline" mit Hilfe so genannter Medienkoffer absolviert werden. Mehr als 1.500 Studierende haben dieses Angebot bereits angenommen. Damit liege man bei weitem über dem Plansoll, so Andreas Riedler, der stellvertretende Vorstand des Instituts für Fernunterricht.

In Ruhe daheim

In Ruhe daheim vor dem Computer anstatt im überfüllten Hörsaal zu sitzen und sich die letzte Privatrecht-Übung per "streaming" im Internet ansehen und per Chat live mitdiskutieren. Immer mehr Studenten nutzen dieses Angebot. Besonders für Personen mit Voll- oder Teilzeitbeschäftigung und durch Familie Gebundene sei diese Form des "ressourcenschonenden" Studierens interessant, so Riedler. Allein im ersten Studiensemester habe man rund 650 Studienanfänger gehabt, das seien doppelt so viele gewesen wie beim "normalen" Jus-Studium inskribiert hätten.

Präsenzphase

Wer sich für das "virtuelle Jus-Studium" interessiert, muss zu Studienbeginn eine einwöchige so genannte Präsenzphase absolvieren, bei der die Studierenden ihre Professoren kennen lernen und mit ihnen arbeiten. Aber auch die Knüpfung von Kontakten unter den Studenten wolle man damit erreichen, so Riedler. Bis jetzt habe man sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die Studenten würden eigene "regionale Netzwerke" und Studienkreise zum Informationsaustausch bilden. Diese Präsenzphase wird in Bregenz, Villach und Schlaining im Burgenland abgehalten.

Tonspuren

Zudem erhalten die Studierenden für jedes Prüfungsfach einen so genannten Medienkoffer, der alle für das Studium und die Prüfungen erforderlichen Unterlagen und DVDs beinhaltet. Inhalt der DVDs sind die in Ton, Bildern, Grafiken und Texten abgespeicherten Vorlesungen des jeweiligen Fachgebietes. Man habe bemerkt, dass sich viele Studenten die Tonspur der DVD auf eine CD-ROM brennen würden, um sich die Vorlesung dann zum Beispiel im Auto anzuhören, sagte Riedler. Der begleitende elektronische Unterricht wird in einem Studio aufgezeichnet und über das Internet per "streaming" angeboten. Allein im ersten Studienjahr habe man 132.000 Zugriffe auf die Internet-Seiten des Instituts für Fernunterricht verzeichnen können.

Osttimor, Melbourne oder Tel Aviv

Die schriftlichen Prüfungen können von den Studierenden an von der Universität Linz beaufsichtigten Orten, wie zum Beispiel Notariaten, abgelegt werden. Für im Ausland Studierende – das sind etwa fünf Prozent dieses Studiums, die unter anderem in Osttimor, Melbourne oder Tel Aviv studieren – stehen für Prüfungen die österreichischen Auslandsvertretungen zur Verfügung. Mündliche Prüfungen können mit entsprechender Beaufsichtigung auch über Videokonferenzen abgelegt werden. Alle korrigierten Prüfungsarbeiten werden seit Mitte Dezember 2003 eingescannt und auf den Web-Seiten des Instituts präsentiert. Damit habe man einem Wunsch der Studenten Rechnung getragen, meinte Riedler. Zudem müsse das Institut die korrigierten Arbeiten nicht mehr auf dem Postweg versenden.

2.500 Studierende bis zum Jahr 2006 geplant

Bis zum Jahr 2006 rechnet das Institut mit insgesamt rund 2.500 "virtuellen Studenten", so Riedler, und für das nächste Semester, das im März 2004 beginnt, würden bereits rund 100 Neuanmeldungen vorliegen. Der Erfolg zeige, dass man mit diesem völlig zeit- und ortsunabhängigen Studium auf dem richtigen Weg sei, meinte Riedler. (APA)

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