Großgrundbesitzer ließ Priester entführen

17. Jänner 2004, 23:41
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Streit um die Gebietsabgrenzung im Bundesstaat Roraima - Indigenas blockieren Zufahrten zur Provinzhauptstadt Boa Vista

Brasilia - Im nordbrasilianischen Amazonas-Bundesstaat Roraima haben Großgrundbesitzer eine Serie von Gewaltaktionen gegen staatliche und kirchliche Einrichtungen begonnen, um die geplante Abgrenzung ("demarcacao") des Landes für Indigena zu verhindern. Rund 200 "Pistoleiros" stürmten eine katholische Missionspfarre, zerstörten sie fast völlig und nahmen zwei Priester und einen Ordensbruder als Geiseln. Alle drei wurden nach Kirchenangaben schwer misshandelt und verschleppt.

Brücken und Straßen zur Provinzhauptstadt Boa Vista und damit auch der Verkehr in die angrenzenden Länder Venezuela und Guyana seien mit Traktoren und LKW blockiert.

In einem Appell an die brasilianische Regierung und die Weltöffentlichkeit warnte der Präsident des katholischen Indianermissionsrats CIMI, Bischof Franco Masserdotti, vor unvorhersehbaren Risiken für die indianischen Gruppen Roraimas und die sie unterstützenden Missionare. Laut Masserdotti handelt es sich bei den Gegnern der "demarcacao" vor allem um Besitzer großer Reisfarmen und Politiker. Diese drohten sogar damit, die Kathedrale von Boa Vista zu besetzen. Masserdotti forderte von Brasilia rasche Maßnahmen, damit die entführten Geistlichen befreit und ihre Sicherheit garantiert würden. Die Täter und Hintermänner der jüngsten Gewalttaten müssten verhaftet und entsprechend bestraft werden.

Die gewalttätigen Proteste gegen die "demarcacao" wurden laut Presseberichten vom Großgrundbesitzer Paulo Quarteiro organisiert, der in dem Gebiet auf einer Fläche von mehr als 9.000 Hektar Reisanbau und Rinderzucht betreibt. "Wir werden die 'demarcacao' nicht zulassen - ebenso wenig die Anwesenheit dieser Pfarrer und der staatlichen Indianerbehörde", erklärte Quarteiro in Boa Vista. (APA)

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    Indigenas blockieren Brücken und Straßen zur Provinzhauptstadt Boa Vista

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