Zypern: Türken wollen nach UN-Plan verhandeln

9. Jänner 2004, 16:55
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Türkische Inselregierung soll bald stehen

Nach wochenlangen internen Debatten zwischen Regierung und Generalstab hat die türkische Führung sich jetzt auf eine Vorgehensweise für neue Verhandlungen auf Zypern geeinigt. Nach den Richtlinien des UN-Plans soll möglichst zügig mit der griechischen Seite über eine friedliche Lösung für das geteilte Zypern verhandelt werden. Dazu gehört, dass nach dem Patt bei den Wahlen in Nordzypern Mitte Dezember nun umgehend eine Regierung "auf möglichst breiter Basis" gebildet wird, wie es in Ankara hieß.

Die Beschlüsse zu Zypern wurden bei einem Treffen unter Vorsitz von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer getroffen, an dem außer Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Außenminister Abdullah Gül auch Generalstabschef Hilmi Özkök teilnahm.

Im Anschluss an den Gipfel beim Präsidenten traf Premier Erdogan mit allen vier Vorsitzenden der im nordzypriotischen Parlament vertretenen Parteien zusammen, die dafür extra nach Ankara geflogen waren.

Bereits vor ihrem Abflug hatten Mehmet Ali Talat, der seit zehn Tagen versucht, eine Regierung zu bilden, und Serdar Denktasch, Vorsitzender der drittstärksten Partei, bei einer Pressekonferenz angekündigt, man wolle jetzt keine Zeit mehr verlieren und Details einer zukünftigen Regierung klären.

Voraussetzung für die Koalitionsbereitschaft von Serdar Denktasch war, dass Talat zuvor erklärt hatte, er sei nun auch bereit, Denktasch Senior weiterhin als Verhandlungsführer der Zyperntürken in den Gesprächen mit der griechischen Seite zu akzeptieren.

Nach dem Treffen in Ankara und dem dortigen Kompromiss auf der Basis: Verhandlungen auf Grundlage des Annan-Plan ja, aber weiterhin mit Denktasch als Verhandlungsführer, steht nun einer Regierungsbildung im Norden wohl nichts mehr im Weg.

Wenn Talat und Denktasch Junior sich einigen, kommen sie zusammen auf 26 Parlamentssitze und hätten damit die denkbar knappste Mehrheit in dem 50-köpfigen Parlament. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.1.2004)

Jürgen Gottschlich aus Istanbul
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