"Gold-Standard" im Norden

8. Jänner 2004, 11:56
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Europaweite Studie untersuchte Überlebenschancen von krebskranken Kindern

Wien/Mailand - In Österreich überleben etwa drei Viertel aller Kinder, die an Krebs erkrankt sind. Doch in Finnland sind es rund 81 Prozent, in Island (bei einer extrem kleinen Anzahl von Erkrankungen, Anm.) sind es gar 90 Prozent. Entscheidend sind Früherkennung und moderne Therapie, stellte jetzt ein europäisches Expertenteam unter italienischer Leitung in einer europaweiten Studie in der Fachzeitschrift "Annals of Oncology" fest.

Dr. G. Gatta von der Abteilung für Epidemiologie am nationalen italienischen Krebsforschungsinstitut in Mailand und seine Co-Autoren haben mit der EUROCARE-3-Studie jetzt eindeutige Belege für diese Differenzen von Staat zu Staat bei bösartigen Erkrankungen von Kindern gesammelt. Sie analysierten die Daten von rund 23.000 Kindern unter 15 Jahren, bei denen zwischen 1990 und 1994 Krebs diagnostiziert wurde. Die Wissenschafter werteten schließlich die Fünf-Jahres-Überlebensraten der jungen Patienten ab der Diagnose von Zentren in 20 europäischen Ländern aus. Aus Österreich kamen die Informationen vom Tiroler Krebsregister.

"Gold-Standard" im Norden

Generelle Aussage der Experten: "Für alle Krebsarten insgesamt gab es erhebliche Unterschiede bei den Überlebensraten (von 45 Prozent in Estland bis 90 Prozent in Island). In Osteuropa waren sie mit 60 bis 70 Prozent generell niedrig, in der Schweiz, Deutschland und den nordischen Staaten (ausgenommen Dänemark) hingegen mit über 75 Prozent hoch. (...) Die nordischen Staaten repräsentieren bei den Überlebensraten den 'Gold-Standard', an dem sich die anderen Länder orientieren können."

Die Fünf-Jahres-Überlebensraten für Kinder in ausgewählten Ländern, die an der Studie teilgenommen haben:

  • Am besten schneidet Island mit 90,1 Prozent ab (allerdings bei nur 39 in die Studie aufgenommenen Fällen).

  • Finnland liegt mit 81,2 Prozent vor der Schweiz (81 Prozent), Schweden (79,4 Prozent) und Deutschland (76,4 Prozent) an zweiter Stelle.

  • Österreich folgt mit 74,2 Prozent Fünf-Jahres-Überlebensrate bei krebskranken Kindern nach Norwegen (74,8 Prozent) an siebenter Stelle.

  • Der europäische Durchschnitt: 71,8 Prozent.

  • In Slowenien überleben 65,7 Prozent der krebskranken Kinder fünf Jahre lang, in der Slowakei sind es 63,1 Prozent (vorletzter Platz). Darauf folgt nur noch Estland mit 44,9 Prozent. (APA)
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