Iran zu Gesprächen mit den USA bereit

9. Jänner 2004, 17:10
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Als Voraussetzung gilt "gegenseitiger Respekt"

Teheran - Der Iran ist nach den Worten von Außenminister Kamal Kharrazi grundsätzlich offen für Gespräche mit den USA. Im staatlichen iranischen Fernsehen betonte Kharrazi am Donnerstag, Voraussetzung dafür sei, dass diese Gespräche auf gegenseitigem Respekt beruhten. Er sagte aber auch weiter: "Wir verachten das gekünstelte Lächeln (der US-Politiker) und werden uns davon niemals täuschen lassen. Die (versöhnlichen) Gesten können nicht das wahre Gesicht des amerikanischen Imperialismus und dessen Feindschaft gegenüber dem islamischen Iran verschleiern".

Khamenei: Iran wird sich von Gesten der USA nicht täuschen lassen

Schärfere Worte fand der oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei: Der Iran werde sich nicht von den jüngsten versöhnlichen Gesten der USA täuschen lassen. "Diese Gesten können nicht das wahre Gesicht des amerikanischen Imperialismus und dessen Feindschaft gegenüber dem islamischen Iran verschleiern", sagte Khamenei am Donnerstag im staatlichen Teheraner Fernsehen. "Wir verachten darum das gekünstelte Lächeln (der US-Politiker) und werden uns davon niemals täuschen lassen", fügte der oberste Führer hinzu.

Der Iran habe die Hilfe der USA für die Erdbebenopfer annehmen müssen, da diese dem Volk gegolten habe. Dies habe jedoch nichts mit "politischen Fragen und der fundamentalen, dauerhaften, tiefen Feindseligkeit des amerikanischen Unterdrückerregimes gegen das iranische Volk" zu tun, betonte Khamenei.

Wandel im Verhältnis zu den USA nicht ausgeschlossen

Khamenei schloss einen Wandel im Verhältnis zu den USA nicht ganz aus. "Wir sind nicht halsstarrig. Wer auf Gewalt und Klamauk verzichtet und eine freundliche Haltung gegenüber diesem Land einnimmt, wird von unserem Volk entsprechend empfangen werden", sagte der oberste Führer ohne weitere Erklärung.

Geschichte einer Feindschaft

Die Beziehungen zwischen USA und dem Iran waren von der US-Regierung kurz nach der iranischen Revolution von 1979 in Zusammenhang mit der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran abgebrochen worden. Über Jahrzehnte hinweg galt der Iran in den USA als ein "Förderland des internationalen Terrorismus"; US-Präsident George W. Bush rechnete den Iran zusammen mit dem Irak und Nordkorea zu einer "Achse des Bösen" wegen des Verdachts, im Iran würden heimlich Massenvernichtungswaffen produziert. Die Regierung in Teheran hat diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Annäherung

In jüngster Zeit hatte sich eine leichte Annäherung zwischen den USA und dem Iran abgezeichnet. So ließ die Regierung in Teheran amerikanische Unterstützung nach dem schweren Erdbeben vom 26. Dezember ins Land, und in den USA hieß es, im Grundsatz bestehe inzwischen die Bereitschaft zu einer Wiederaufnahme eines Dialogs, der auf bestimmte Themen begrenzt sein solle.

Gegenseitige Erwartungen

Der Iran erhofft sich von Washington die Beendigung der 1995 verhängten Sanktionen. Umgekehrt verlangen die USA die Aushändigung mutmaßlicher Extremisten des Terror-Netzwerks Al Kaida, die vermutlich im Iran festgehalten werden, ferner die Aufgabe des iranischen Atomprogramms sowie die Beendigung der Unterstützung des Palästinenser-Aufstands gegen Israel.

Im Dialog mit den Europäern hatte der Iran kürzlich im Atomstreit insofern eingelenkt, als die Regierung in Teheran unangekündigten Inspektionen durch die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) am Ende zustimmte. (APA/Reuters/dpa/red)

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