Krenn könnte "Aufpasser" bekommen

9. Jänner 2004, 14:37
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Gerüchte um "elegante Teilentmachtung" durch den Vatikan per Entsendung eines Koadjutors - Bischof- Sprecher dementiert

Wien - Im Vatikan werde überlegt, dem umstrittenen St. Pöltner Bischof Kurt Krenn einen Koadjutor zur Seite zu stellen, berichtete die "Presse" in der Donnerstag-Ausgabe unter Hinweis auf "Insiderinformationen". Zuletzt hat der Papst in Österreich 1995 einen Bischofs-Koadjutor ernannt, den jetzigen Kardinal Christoph Schönborn am Höhepunkt der Krise rund um Wiener Erzbischof Kardinal Hans-Hermann Groer. Krenn selbst wollte gegenüber der "Presse" nicht Stellung nehmen, sein Sprecher Michael Dinhobl sprach von "Gerüchten".

Mehrere österreichische Bischöfe hätten - laut "gut informierter Quelle" - bereits ihre Besorgnis über die Situation in Krenns Diözese in Rom geäußert, schreibt die "Presse". Und der betont öffentlichkeitsscheue neue Nuntius Georg Zur mache sich selbst laufend ein Bild der Situation in St. Pölten und berichte an die Zentrale weiter.

Alarm aus St. Pölten

Die "Presse" zählt eine lange Liste von "für den Vatikan alarmierenden Nachrichten aus St. Pölten" auf: "Kinderporno-Internetseiten, die mehrmals zu nächtlicher Stunde an einem Computer im Priesterseminar aufgerufen wurden; Ermittlungen der Kriminalpolizei in der Causa; 'Geheim'-Weihe von Diakonen, ohne, wie vorgeschrieben, Weihbischof Heinrich Fasching und das Domkapitel zu informieren; mysteriöser Tod eines Priesteramts-Kandidaten; Aufnahme psychisch Kranker und/oder bereits von anderen Diözesen abgelehnten Priester-Anwärtern; gesundheitliche Probleme Bischof Kurt Krenns, die sich in Artikulationsschwierigkeiten, unsicherem Gang, zuckenden Kopfbewegungen äußern."

Elegante Teilentmachtung

Die laut Insider-Informationen wahrscheinlichste Variante sei, dass nach dem altersbedingten Rücktritt von Weihbischof Heinrich Fasching - er wird am 24. Mai 75 Jahre alt - ein Bischofs-Koadjutor ernannt wird, um so "elegant eine Teil-Entmachtung von Diözesanbischof Krenn zu bewirken". Eine Ablöse Krenns halte man hingegen für höchst unwahrscheinlich.

Ein Koadjutor wird laut Kirchenrecht vom Heiligen Stuhl ernannt, wenn es "zweckmäßig" erscheint; er wird mit besonderen Vollmachten ausgestattet und hat automatisch das Recht der Nachfolge des Diözesanbischofs.

"Gerüchte gibt es viele, vielleicht hoffen es manche, dass er abgelöst wird", meinte Krenn-Sprecher Dinhobl zur der möglichen Bestellung eines Koadjutors. "Wenn man jedes Gerücht für bare Münze nimmt, hätte man viel zu tun." (APA)

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    Ein Koadjutor für Krenn?

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