Streit um Präsidentschaftskandidat

8. Jänner 2004, 09:34
posten

CSU erwägt, eigenen Bewerber ins Rennen zu schicken - CDU-Chefin unter Zugzwang

Die Unionsparteien CDU und CSU sowie die FDP streiten über die Nominierung eines Kandidaten für die Bundespräsidentenwahl am 23. Mai. Die CSU erwägt nun, einen eigenen Kandidaten zu nominieren, verlautete bei der Klausurtagung in Wildbad Kreuth am Mittwoch.

CSU-Chef Edmund Stoiber sagte, "spätestens im März" müsse eine Einigung mit CDU und FDP gefunden werden. In Anspielung auf den möglichen Kandidaten Wolfgang Schäuble, der in Kreuth als Gast geladen war, fügte Stoiber hinzu: "Meine besondere Wertschätzung habe ich heute auch gegenüber Wolfgang Schäuble zum Ausdruck gebracht."

Schäuble gilt nicht mehr als Favorit von CDU-Chefin Angela Merkel, die durch das Vorpreschen der CSU nun in Zugzwang gebracht wird. Der Chef der CSU-Parlamentarier, Michael Glos, hatte während der Klausurtagung angekündigt, eine Bewerbung des früheren CDU-Chefs Schäuble nur dann zu unterstützen, wenn die CSU keinen eigenen Kandidaten aufstelle.

Laut Stoiber reklamieren die Unionsparteien "angesichts der Mehrheitsverhältnisse" das Vorschlagsrecht für sich. Am Vortag hatte Parteichef Guido Westerwelle gesagt, die FDP halte sich die Option eines eigenen Kandidaten offen. "Mir fallen einige vorzügliche liberale Persönlichkeiten ein." CDU/CSU haben nur mit der FDP die Mehrheit in der Bundesversammlung. (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 8.1.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
Share if you care.