Väter und Söhne: Eine Frage der Erbfolge

26. Jänner 2004, 20:09
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Wenn Politik zur Familienangelegenheit wird

Politikersöhne haben es mit ihren Vätern nicht leicht. Und umgekehrt. Vor allem bei ausgesprochen dominanten Charakteren fällt daher der Apfel oft recht weit vom Stamm: "Erbfolgen" wie jene bei den steirischen Krainers sind eher die Ausnahme als die Regel, und von "Dynastien" im großen Stil, vergleichbar etwa mit jener der Kennedys in den USA, kann hierzulande keine Rede sein.

Dennoch gibt es einige Familien, in der die Politik sozusagen als Berufskrankheit endemisch geworden ist. Als Muster mögen die beiden Krainers, beide Josef mit Vornamen und vom Volk liebevoll Sepp genannt, herhalten. Josef der Erste schaffte es vom bitterarmen Knecht an die Spitze des Landes und wurde von 1948 an siebenmal zum Landeshauptmann gewählt. Er starb 1971 bei der Jagd - einer Passion, die in Politik und Wirtschaft weit verbreitet ist.

Das Böckeschießen verbindet offenbar, beispielsweise den noch aktuellen Salzburger Landeshauptmann Franz Schausberger mit seinem Wunschnachfolger Wilfried Haslauer, Raiffeisen-Chef Christian Konrad mit Geschäftspartnern, Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn mit Ministerin Maria Rauch-Kallat und viele mehr.

Krainers Sohn schaffte keine so lange Amtszeit wie sein Vater, die Jahre von 1980 bis 1995 können aber durchaus als zweites Krainersches Saeculum bezeichnet werden. Ein bisschen kleiner ist verglichen damit der dynastische Entwurf der niederösterreichischen Prölls. Erwin werkt so erfolgreich als Landeshauptmann, dass ihm immer wieder höhere Ambitionen nachgesagt werden. Sein Bruder Josef hilft bei gegebenem Anlass als Wahlleiter in Radlbrunn, der Heimatgemeinde der Prölls, aus. Dessen Sohn, auch ein Josef, hat es zum Landwirtschaftsminister gebracht.

In Tirol herrscht, legt man die Verwandtschaftsverhältnisse großzügig aus, wieder ein Wallnöfer. Wenn auch ein angeheirateter: Herwig van Staa ist seit 1974 mit Luise, einer Tochter des legendären Eduard Wallnöfer, vermählt.

Eher selten sind so starke Familienbande in der Sozialdemokratie. Der Sohn des letzten großen roten Landeshauptmanns von Kärnten, Leopold Wagner, werkt als Jurist in Klagenfurt. Und der Steirer Peter Schachner, Spross des ehemaligen roten Landeshauptmann-Stellvertreters Alfred Schachner-Blazizek, gab sich den Job genau zwölf Jahre, ehe er an die Universität zurückkehrte. (kob/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2004)

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