Dorotheum: Ärger mit dem Postversand

15. Jänner 2004, 18:52
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Eigenartiges Nachspiel zur Holzschnitt-Causa vom August

Wien - Susanne Adler, wohnhaft in Lübeck, kann sich über das Dorotheum nur mehr ärgern. Sie hatte im vergangenen Jahr den Holzschnitt Ein Spiegel der Schönen in der Stadt zur Versteigerung eingebracht, und das Auktionshaus pries ihn als "besonders ausdrucksvolles und seltenes Blatt von Chokosai Eisho".

Doch dann, im August 2003, zweifelten der Sammler Rudolf Leopold sowie der Asiatika-Spezialist Kurt Binder die Echtheit der Grafik, die vom Dorotheum auf 2000 bis 3600 Euro geschätzt worden war, an. Ihrer Meinung nach handelt es sich, wie berichtet, nicht um einen Originalholzschnitt aus 1795, sondern um "eine spätere, künstlerisch minderwertige Edition", die 100 bis 200 Euro wert sei.

Das Dorotheum drängte daraufhin Susanne Adler, die Grafik aus der Auktion zu nehmen. Was sie auch Ende August tat. Das Blatt wurde ihr aber bis dato nicht wieder ausgefolgt: Freunde in Wien seien fünfmal im Dorotheum gewesen, aber immer erfolglos, unter anderem deshalb, weil der Holzschnitt nicht hätte gefunden werden können.

Die Bekannten hätten daher gebeten, die Grafik per Post zurückzusenden, was vom Dorotheum auch versprochen worden sei. "Aber ich habe weder etwas gehört noch das Bild zurückbekommen", klagt Susanne Adler. DER STANDARD konfrontierte das Dorotheum mit den Vorwürfen; man versprach erneut, den Holzschnitt, der "im Postversand liegen geblieben" sei, zurückzusenden. Schätzmeisterin Jorinde Ebert würde nach Rücksprache mit Experten beteuern, dass die 2000 bis 3600 Euro ein Richtwert gewesen seien, der sehr wohl stimme. Ein Wert von 100 bis 200 Euro sei viel zu gering. (trenk / DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2004)

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