Wahrer Fußball ist die Ware für den Export

12. Jänner 2004, 11:06
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Der Hallencup auf Station in Linz - Die Sponsorensuche gestaltet sich genauso hart wie im richtigen Leben

Wien/Linz - "Wir werden das Budget packen." Heinz Palme dachte bis vor sechs Wochen, es werde sich nicht ausgehen. Wirtschaftliche Flaute hin, Investitions- und Werbescheu her, schließlich kontraktierte der Marketingfachmann und Unternehmer doch eine ausreichende Zahl von Wirtschaftspartnern, sodass er die rund zwei Millionen Euro und den Breakeven packt. Palme, der einst für den ÖFB den Pressechef und nachher den Organisationschef für zweieinhalb EM-Bewerbungen machte, arbeitet seit Jahren im innersten Kreis der WM 2006 in Deutschland. Der Hallencup ist sein Spielbein.

Raritäten

"Seit einigen Wochen ist ein Aufschwung spürbar, spätestens 2006 sollte es steil nach oben gehen", sagt er. 2001 und 2002 erwirtschaftete er ein spürbares Plus, im vergangenen Jahr eine schwarze Null, insgesamt konnte die Liga damit die Defizite der beiden Jahre 1999 und 2000 ausgleichen. "Natürlich werden die Vereine immer ihr Geld bekommen", sagt Palme. Die in Wien erlebte positive Stimmung und Zuschauerfrequenz dürfe freilich nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die großen Exklusivverträge sehr rar geworden sind". Die so genannten "großen Sponsorpakete" mit Branchenexklusivität in allen drei Stationen (Wien, Linz 9.-11. 1., Graz 16.-18. 1.) kosten rund 115.000 Euro, bieten je zwei Bandenflächen, Hallenaktivitäten, Loge und ein Aufscheinen mit Logo im Ankündigungsinserat im Medienpartner Kronen Zeitung. Palme: "Der errechnete Quotient von Mitteleinsatz und Werbewert liegt bei 1:10." Mittlere Pakete (50.000 Euro) bringen ebenfalls Branchenexklusivität, kleine oder regionale Verträge (rund 20.000 Euro) sind per Modulen (Ausstellungsflächen? Banden? Logo auf der Interviewwand des ORF?) individuell auszustatten. Palme: "Wir haben früh gewusst, dass große Lösungen schwer zu erzielen sind, und haben das Angebot sehr differenziert."

Insgesamt dürfe man den Fußball, "der immer noch das beste Mittel ist, schnelle Bekanntheit zu erzielen", nicht überfrachten. Palme: "Ich bin für ein ästhetisches Gesamtbild." Die vor drei Jahren geborene Idee des "Red Zac Teams", damals "Billa-Team", habe eingeschlagen und sich verselbstständigt. Palme: "Mittlerweile steht nicht mehr die Werbung für den Sponsor im Vordergrund, das ist jetzt ein Markenzeichen für eine junge österreichische Truppe, die guten Fußball bietet."

Potenzprobleme

Der heimische Ligafußball insgesamt freilich sei nur dann auf eine wirtschaftlich gesunde Basis zu stellen, "wenn die gesamte Branche umdenkt", so Palme. "Ein einzelner Verein hat es schwer. Rapid zeigt immerhin den Weg, die setzen Talente ein und werden irgendwann einen Ivanschitz verkaufen können. Wie es die in Norwegen und Schweden machen. Denen fehlt wie uns die Potenz. Wir müssen eine Exportliga werden." (DER STANDARD, Printausgabe, 8. Jänner 2004, Johann Skocek)

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