Billig-Pillen teurer verkauft

8. Jänner 2004, 18:22
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Rezeptgebühr: Apotheker verrechneten für preiswertere Medikamente mehr Geld - Rauch-Kallat: Missverständnisse

Wien - Die Rezeptgebühr sorgt für Aufregung. Seit 1. Jänner verrechnen nämlich manche Apotheker für preiswertere Medikamente nicht 4,35 Euro, sondern 5,65 Euro. "Hier ist eindeutig beim neuen Gesamtvertrag zwischen Krankenkassen und Apothekern ein Fehler passiert", erklärte Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) am Mittwoch zu dem diesbezüglichen Bericht im "Kurier". Sie gehe aber davon aus, dass die Sache rasch im Sinn der Patienten repariert werden könne.

Apotheker: "Davon haben alle gewusst"

"Das ist kein Missverständnis. Davon haben alle gewusst", erklärte man am Mittwoch in Apothekerkreisen zu den Verwirrungen darüber, dass Patienten, welche bestimmte Rezepte mit Medikamenten unterhalb der Rezeptgebühr (4,35 Euro) in den Apotheken vorlegen, 5,60 oder gar 5,65 Euro zahlen müssen.

Der Hintergrund laut einem Sprecher der Österreichischen Apothekerkammer: "Es gab schon immer die Grenze der Rezeptgebühr, bis zu der die Krankenkasse nichts für ein Medikament zahlte." Doch wenn der Preis eines Medikamentes nur knapp über der Rezeptgebühr (sie betrug 4,25 Euro bis zum 31. Dezember 2003, nunmehr 4,35 Euro) lag, bekamen die österreichischen Apotheker nur den Kassenpreis (wegen des "Rabatts" für die Krankenkassen), beispielsweise 3,20 Euro. Sie schnitten damit schlecht ab.

Die mit dem neuen Gesamtvertrag zwischen Kassen und Apothekerkammer getroffene Regelung sollte das ändern. Wenn der Preis eines auf Kassenrezept verschreibbaren Medikamentes 4,35 Euro plus die Mehrwertsteuer beträgt, sollte es nicht mehr verrechenbar sein. Die Konsequenz: Für diese Arzneimittel ist laut Vertrag der Privatpreis zu bezahlen (bis 5,60 Euro).

Was offenbar noch hinzu kommt: Die sozialen Krankenkassen bezifferten laut Hintergrundinformationen die Kosten für die Bearbeitung eines Kassenrezeptes mit einem Euro. Ein Apotheker: "Sie sagten, Rezepte bis zu einem Euro und 20 Prozent über der Rezeptgebühr interessieren sie nicht. So kommt man auf die 5,60 Euro."

Teure Generika

Die gesundheitspolitisch skurrile bis brisante Konsequenz kann darin bestehen, dass die so sehr gewünschte Verschreibung von "billigeren" Generika (nachgeahmten Mediakamenten) den Patienten teurer als ein billiges Originalpräparat kommen kann. Ein Apotheker: "Kommt ein Patient zu mir mit einem Rezept auf das Generikum R. eines Blutdruckmittels, muss ich jetzt 5,60 Euro verlangen. Für das Originalpräparat R. (knapp über der "Bagatellgrenze") zahlt er hingegen nur die Rezeptgebühr von 4,35 Euro. Das Generikum ist somit nicht billiger, sondern teurer für den Patienten." Die Krankenkassen ließen sich offenbar jetzt auch noch zusätzlich ihren Verwaltungsaufwand auf diese Weise abgelten.

Der Sprecher der Apothekerkammer: "Wir empfehlen, den Privatverkaufspreis zu verlangen." Von der Rezeptgebühr Befreite würden nicht unter der Neuregelung leiden. Man habe allerdings schon in den vergangenen Tagen viele Telefonate in dieser Angelegenheit führen müssen. (APA)

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    Die billigeren Medikamente kamen manchen Kunden teuer zu stehen.

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