Radek Knapp antwortet

8. Jänner 2004, 13:40
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Arbeitszimmer in einem einfach, doch gediegen ausgestatteten literarischen Quartier. Der Schriftsteller Radek Knapp und ein Interviewer.

INTERVIEWER: Herr Knapp, was ist der Unterschied zwischen einem Bestseller und einem Ladenhüter?

KNAPP: Das ist schwer zu sagen. Wenn ein guter Verlag, ein Verlag, der Macht hat, ein Machtverlag, wenn der alle Räder laufen lässt, Beziehungen und so, dann können wir, jetzt ohne einen Eingriff von draußen, im Sinne von wenn Ranicki was sagt oder sonst jemand, nein, alleine nur so, was der Verlag selbst Werbung macht und Anzeigen schaltet und ein paar Rezensionen erzwingt, dann können wir auf zehn- bis zwölftausend kommen, ungefähr, das ist –

INTERVIEWER: Ich verstehe.

KNAPP: – das ist, was dieser Machtverlag wirklich pressen kann, von selber. Ab zwölftausend beginnt das Buch entweder selbst zu leben, mit einem Eigenleben, oder nicht, und ab dann können wir schon von einem guten Buch –

INTERVIEWER: Ich verstehe, ja.

KNAPP: – bzw. von einem Bestseller sprechen. Dann kommt die Mundpropaganda dazu, oder das Buch kommt dann beispielsweise in irgendeine Buchsendung im Fernsehen rein, weshalb du –

INTERVIEWER (ungeduldig): Alles klar.

KNAPP: – weshalb du plötzlich viertausend verkaufte Bücher am Tag hast, egal, ob es deines wäre, oder meins –

INTERVIEWER (genervt): Wir haben verstanden, Herr Knapp!

KNAPP: (unbeirrt): – da bekommt es einen Stempel drauf und zack! Na ja, da schauen zwei Millionen Idiotenleser zu, die keine Ahnung haben, aber –

INTERVIEWER: Vorhang! Vorhang!

(Vorhang)
Material: "Radek Knapp antwortet", "@cetera" Nr. 14/2003
(DER STANDARD, Printausgabe, 8.1.2004)

Für Konrad Bayer, Brigitta Falkner, Elfriede Gerstl, Werner Kofler, Reinhard Priessnitz u.a.
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