Der Swiss geht erneut das Geld aus

15. Jänner 2004, 11:11
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Die Schweizer Fluggesellschaft braucht einen weiteren besicherten Großkredit zum Überleben

Das zweite Lebensjahr geht für die Schweizer Fluggesellschaft Swiss – die Nachfolgegesellschaft der Pleite gegangenen Swiss Air – so traurig zu Ende wie das erste. Ursprünglich hatte man 2003 bereits eine schwarze Null schreiben wollen. Dann kamen der Irakkrieg, die Sars-Epidemie und die Schweizer Wirtschaft verharrte in der Rezession.

Höherer Verlust

In den ersten neun Monaten des Jahres verzeichnete Swiss bei einem Umsatz von 3,1 Mrd. Franken einen Verlust von 613 Mio., mehr noch als im Vorjahr. Nun sehnt man bei der Nachfolgerin der untergegangenen Swissair den Turn- around herbei.

"Im Verlauf von 2004 wollen wir operativ schwarze Zahlen schreiben", gab Konzernchef André Dosé in einem Interview zum Jahreswechsel das Ziel vor.

2005 soll die Gewinnschwelle überschritten werden. Die 2,7 Mrd. Franken, die der Schweizer Staat sowie Banken und Unternehmen zur Verfügung stellten, sind bald aufgebraucht. Ein Analyst der Zürcher Kantonalbank schätzt, dass die Bruttoliquidität zum Jahresende nur noch um die 400 Millionen Franken betragen habe. Da dies nur wenig mehr als die Hälfte des Aktienkapitals sei, sei demnächst mit einem Kapitalschnitt zu rechnen. Laut Dosé besteht dennoch "kein akutes Liquiditätsproblem".

Hinsichtlich Kosten und Erträgen habe Swiss in den vergangenen drei Monaten besser abgeschnitten als im Geschäftsplan vorgesehen. Dieser Plan entstand Mitte des Jahres, als dem Management bewusst geworden war, dass das Unternehmen wenn überhaupt nur in bedeutend kleinerem Format überleben könnte. Man beschloss, Flotte, Personalbestand und Angebot jeweils um ein Drittel zu kürzen und erhoffte sich davon jährliche Einsparungen in Höhe von 1,6 Mrd. Franken.

Billigkonzepte

Gleichzeitig begann Swiss, mit Niedrigpreisen auf europäischen Strecken den Kampf gegen die Billigfluggesellschaften aufzunehmen.

Das Konzept "Swiss in Eu^rope" steigerte zwar die Auslastung, drückte aber die Erträge. Durch die Kürzungen war die Swiss wenigstens klein genug, um im vergangenen September in die von British Airways dominierte Oneworld-Allianz aufgenommen zu werden. Weil die Umstrukturierung jedoch zusätzliches Geld kostet, bleibt die finanzielle Lage der Swiss prekär, zumal das erste Quartal in der Regel schwach ausfällt.

Ohne einen "Sicherheitskredit" von 500 Mio. Franken könnte es knapp werden, hat Dosé mehrmals betont. Die Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern dauern seit Monaten an. Die Banken verlangen Sicherheiten, wollen notfalls die Flugzeuge einbehalten können.

"Letter of Comfort"

Die jedoch sind in der Regel in Leasingverträgen gebunden. Helfen würde der Swiss laut Dosé ein "Letter of Comfort" der Schweizer Regierung, eine Art Empfehlungsschreiben. Doch was würde darin stehen? Eine bloße Sympathieerklärung hilft der Swiss kaum weiter, eine regelrechte Staatsgarantie indes ist politisch nicht durchsetzbar. Sie wäre den Steuerzahlern schwer zu vermitteln.

Zudem sitzen nun zwei erzliberale neue Minister in der siebenköpfigen Regierung, Hans-Rudolf Merz und Christoph Blocher. Beide hatten schon den ersten öffentlichen Kredit für die neue Fluggesellschaft verdammt. (Thomas Kirchner aus Zürich, Der Standard, Printausgabe, 08.01.2004)

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    Das zweite Lebensjahr geht für die Schweizer Fluggesellschaft Swiss – die Nachfolgegesellschaft der Pleite gegangenen Swiss Air – so traurig zu Ende wie das erste.

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