Lavanttaler Spargel-Achse als "Vision"

20. Jänner 2004, 16:36
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SP-Bürgermeister Seifried und Jörg Haider präsentieren "parteiübergreifende" Plattform für Wolfsberg

Klagenfurt - Fast sah es so aus, als würde die Kärntner SPÖ in diesem auch bundespolitischen entscheidenden Landtagswahlkampf ohne interne Querschläge auskommen.

Der Wolfsberger Bürgermeister Gerhard Seifried ließ sich angesichts des beinharten Landeshauptmann-Duells zwischen seinem Parteichef Peter Ambrozy und Sesselverteidiger Jörg Haider jedoch nicht abhalten, eigene Wege zu gehen. Sozusagen eine Lavanttaler Interpretation der Spargel-Connection zwischen SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer und dem Kärntner Landeshauptmann. Gemeinsam mit Haider präsentierte Seifried am Mittwoch eine "parteiübergreifende" SP/FP- Plattform für Wolfsberg. Stilgerecht und weit über das Land hinausschauend - auf Schloss Wolfsberg.

Diese Plattform, bei der es "um eine konstruktive Politik für die Stadt" gehe, sei als "politische Vision" zu verstehen und stehe auch der ÖVP offen, meinte Seifried. Schon lange arbeite die FPÖ im Wolfsberger Gemeinderat "vorbehaltslos kooperativ" mit der SPÖ zum Wohl der Stadt zusammen, lobte das Stadtoberhaupt den blauen Partner. Eine solche konstruktive Zusammenarbeit stünde auch im Landtagswahlkampf gut an, dessen Parteiengezänk der eigenwillige und als langjähriger SPÖ-Kritiker bekannte Bürgermeister als "unerträglich" bezeichnete. Landeshauptmann Haider nahm den aufgelegten Part dankend auf und sprach von einer "geistigen Wende" in Wolfsberg, die sich auch kärntenweit weiterentwickeln sollte.

Als Störmanöver will Seifried sein mediales rot-blaues Tete-à-Tete nicht verstanden wissen. Sei doch SP-Chef Gusenbauer von der Presse-Einladung informiert gewesen. Indirekte Wahlhilfe für Haider gab es trotzdem: Denn auch Seifried wollte sich im Gegensatz zu seiner Partei - die deswegen immerhin einen Misstrauensantrag im Landtag liegen hat - nicht von Haiders jüngsten Saddam- und Israel-Aufregern distanzieren. Landespolitisch umgemünzt heißt das für den Wolfsberger Bürgermeister: Wenn die FPÖ stimmenstärkste Partei werde, dann führe auch für die SPÖ kein Weg an der Landeshauptmann-Wiederwahl Haiders vorbei.

Die SPÖ-Spitze ist intensiv bemüht, die Lavanttaler Spargel-Achse herunterzuspielen. Ambrozy: "Dass Haider sich einklinkt, zeigt nur, dass er es offenbar nötig hat, sich an einen erfolgreichen SP-Bürgermeister anzuhängen." (stein/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2004)

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    Der SPÖ-Bürgermeister von Wolfsberg will die Wiederwahl Jörg Haiders als Landeshauptmann nicht ausschließen und beruft sich dabei auf das Spargelessen Gusenbauers mit Haider.

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