Antwerpen

8. Juni 2004, 08:19
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Die Rubensstadt würdigt mit mehreren Ausstellungen ihren weltberühmten Künstler

Das Fotogeschäft in der "Papenstraatje" und das Parkhaus in der Nähe der Antwerpener Kathedrale tragen stolz den Namen Rubens. Aber auch leckere Pralinen, die nach dem flämischen Meister des Barocks (1577-1640) benannt sind, gibt es in der belgischen Hafenstadt zu kaufen. Alles erinnert daran, dass der "Gott der Maler" dort nicht nur seine Kindheit verbrachte, sondern auch den Großteil seiner Künstlerkarriere. So kann in der Wapper 9-11 sein prächtiges Wohnhaus und Atelier besichtigt werden, in dem die Meisterwerke entstanden, die heute im Museum für Schöne Künste oder in einer der zahlreichen Kirchen der Stadt zu bewundern sind. Um ihrem Beinamen als "Rubensstadt" auch alle Ehre zu erweisen, finden in diesem Jahr in Antwerpen gleich mehrere Ausstellungen statt.

Im Rubenshaus, das schon zu Lebzeiten des Meisters wegen seiner prächtigen barocken Säulenvorhalle auffiel, findet ab 6. März - zeitgleich zur großen Rubens-Retrospektive in der diesjährigen Europäischen Kulturhauptstadt Lille (Frankreich) - die Ausstellung "Une maison d'art, Rubens collectionneur" (Ein Kunsthaus, Rubens der Sammler) statt. Neben Werken von Tizian, Tintoretto und Bruegel werden auch zahlreiche Vasen, Gemmen und Kunstobjekte aus Elfenbein zu sehen sein, die der Künstler gesammelt hatte.

Rubens war ein vermögender Künstler und leidenschaftlicher Kunstsammler und hatte aus seinem Wohnhaus ein Museum gemacht. Überall standen Kunstobjekte und hingen Ölgemälde seiner Vorbilder Tizian, Carracci und Caravaggio. Besonders seine Skulpturensammlung in seinem halbrunden mit einer Kuppel überdachten Hausmuseum machte damals von sich reden.

Der am 28. Juni 1577 im westfälischen Siegen geborene Künstler hatte sich einen festen Platz in der Antwerpener Oberschicht geschaffen. Er war Hofmaler des Statthalter-Ehepaars von Spanisch- Niederlande, des Erzherzog Alberts und der Infantin Isabelle, und bekam Aufträge vom Adel und der Kirche. So entwarf er für das Antwerpener Rathaus die "Anbetung der Könige" und für die Kathedrale Notre-Dame, die größte Kirche Belgiens, den "Kreuzaufrichtungsaltar" und den "Kreuzabnahmealtar". Weitere Meisterwerke sind in der Sankt- Paul und Sankt-Jakob Kirche zu bewundern, die Teil eines Rubens- Rundgangs sind, zu dem natürlich auch das Rubenshuis gehört, in dem die bekannten Werke "Adam und Eva" sowie "Die Verkündigung Mariä" zu sehen sind.

Antwerpen besitzt nicht nur über 100 katholische Kirchen, sondern auch ein prächtiges Museum für Schöne Künste, das als Antwerpener Mekka für Rubens-Liebhaber gilt. Das Museum, in dem Hauptwerke wie "Die Taufe Christus", "Das Wunderkind" und die "Anbetung der Heiligen Drei Könige" hängen, widmet dem Künstler, der später eine erfolgreiche Laufbahn als Diplomat begann, gleich zwei große Ausstellungen.

Die Museumsveranstaltung "Delacroix à Courbet, Rubens en discussion" (Von Delacroix bis Courbet, Rubens in der Diskussion), vom 6. März bis 13. Juni, stellt Werken des flämischen Meisters Arbeiten von Delacroix, Courbet, Ingres und Jordaens gegenüber und spielt damit auf den Streit zwischen Anhängern und Gegnern von Rubens an. Rubens war ein hervorragender Kolorist. Seine breit angelegte Farbpalette und seine starken Kontraste standen im Widerspruch zum realistischen Konzept Courbets und Jordaens, während Rubens für Delacroix der Meister der subtilen Farbverhältnisse war.

Im Mittelpunkt der vom 12. Juni bis 12. September dauernden Ausstellung "Copyright Rubens, Rubens et l'Art grafique" (Copyright Rubens, Rubens und die Graphikkunst) steht Rubens als Graphiker. Der Künstler begnügte sich nicht nur damit, in seinem riesigen Werkstattbetrieb hunderte Ölgemälde von seinen Schülern anfertigen zu lassen, sondern verbreitete sein Werk auch graphisch: Entweder fertigten von ihm überwachte Spezialisten Stiche seiner Werke an oder aber er selber arbeitete in der Druckerei seines Freundes Balthasar I. Moretus.(apa)

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