Kopf des Tages: Der Junior in den Fußstapfen des Vaters

8. Jänner 2004, 18:16
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Wilfried Haslauer soll Franz Schausberger ablösen

Vielleicht hat Wilfried Haslauer auf der Pressekonferenz, bei der er von Landeshauptmann Franz Schausberger als Nachfolger präsentiert wurde, eine Vorahnung befallen, was auf ihn in den nächsten Monaten zukommen könnte. Auf die Journalistenfrage, ob er nach dem Vorbild seines Vaters ebenfalls "im Salzburger Klima" nach den Landtagswahlen im März eine große Koalition anstrebe, stellte Schausberger die aktuelle Rangordnung klar und korrigierte den Fragenden: "Die Frage müssen Sie an mich richten." Vorerst einmal ist der Sohn des 1992 verstorbenen Altlandeshauptmannes Wilfried Haslauer nur der Nachfolger mit dem klin^genden Namen. Neben dem geeichten Langzeitpolitiker Schausberger hat er wenig zu melden.

Eigentlich hatte der 47-Jährige eine politische Laufbahn immer "kategorisch ausgeschlossen". Das mag man dem von Kollegen als "professionell und verlässlich" beschriebenen Advokaten gerne glauben. Aufsehen erregende Prozesse wie das derzeit laufende Verfahren um die Brandka^tastrophe von Kaprun, in dem Haslauer die Gletscherbahnen vertritt, zeugen vom positiven Karriereverlauf. Wozu also in die Politik wechseln? Wirklich politikfern war der Vater von drei Kindern freilich nie. Als Sohn des Vollblutpolitikers Haslauer senior – 1977 bis 1989 Landeshauptmann in Salzburg – wurde er in den schwarzen Parteiadel an der Salzach hineingeboren. Ein Leben jenseits der Politik ist da kaum möglich.

Der Jurist agierte bisher allerdings eher im Hintergrund, in den Zirkeln konservativer Intellektueller. Das CV-Mitglied ist Präsident der nach seinem Vater benannten Wilfried-Haslauer-Bibliothek. Auch im vom deutschen Bundesnachrichtendienst einst der Geldwäsche verdächtigten Europainstitut des Liechtensteiner Anwalts Herbert Batliner ist Haslauer junior engagiert. Nur 1999 wurde sein Name im Zusammenhang mit politischen Ämtern genannt: Er war in der Landesregierung als Nachfolger von Arno Gasteiger im Gespräch. Die Wahl fiel damals jedoch nicht auf Haslauer, sondern auf Wolfgang Eisl.

Dass der feinsinnige Kunstgenießer, der eher ins Festspielhaus passt als an die Biertische des Bräustübels, nun dem Drängen der Partei nachgegeben hat und versucht, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten, zeigt, welche Überfigur Haslauer senior für die Salzburger Schwarzen bis heute ist. Schon Schausberger hat sich als politischer Erbe Haslauers präsentiert: "Passt mir auf mein Salzburg auf", soll dieser Schausberger kurz vor seinem Tod noch mit auf den Weg gegeben haben. Mit Wilfried junior tritt nun auch der leibliche Erbe an. Sein Name soll die angesichts der schlechten Umfragewerte verunsicherten Parteifunktionäre neu motivieren. (Thomas Neuhold/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2004)

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    Wilfried Haslauer

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