Rumänien: Protestkündigungen wegen Einflussnahme der Regierung

13. Jänner 2004, 15:32
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Zwölf Journalisten gaben Job auf, nachdem Parlament entschieden hatte, dass die Regierung Mitglieder der Redaktionsleitung ernennen könne

Aus Protest gegen eine mögliche Einschränkung der Pressefreiheit hat die gesamte Redaktion einer rumänischen Wochenzeitschrift gekündigt. Die zwölf Journalisten gaben ihre Jobs bei dem renommierten Blatt "Dilema" auf, nachdem das Parlament entschieden hatte, dass künftig die Regierung Mitglieder der Redaktionsleitung ernennen könne. Wie Chefredakteur Mircea Vasilescu weiter mitteilte, will das Team ein privat finanziertes Magazin vertreiben.

Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit seien nicht mehr garantiert

Unter den gegebenen Umständen seien die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Blattes nicht mehr garantiert, sagte Vasilescu. "Dilema" erhielt seit seiner Gründung 1993 finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite, bislang gab es jedoch keine offene politische Einflussnahme auf die Artikel. Das vor allem von Studenten und Intellektuellen gelesene Magazin mit einer Auflage von rund 9.000 Stück gilt als Sprachrohr für liberales Denken und demokratische Ansichten.

Selbstzensur, Erpressung und politischem Druck

Die Kommission zur Überwachung der Pressefreiheit begrüßte die Entscheidung der Redaktion. Journalisten seien in Rumänien häufig Selbstzensur, Erpressung und politischem Druck ausgesetzt. Im vergangenen Jahr wurden mehr als ein Dutzend Redakteure wegen ihrer Arbeit tätlich angegriffen. (APA/AP)

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