Bausparverträge für das Reich der Mitte

11. Jänner 2004, 20:14
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Die Bausparkasse Schwäbisch Hall darf in China Bausparverträge verkaufen - Die neue Bausparkasse ist die erste deutsche Joint-Venture-Bank des Landes

Peking - Die Bausparkasse Schwäbisch Hall wird nach fünf Jahren Vorbereitungen mit einer Joint-Venture-Bank ins Hypothekengeschäft Chinas einsteigen. Sie kann seit Anfang 2004 an Chinesen - vorerst beschränkt auf die zehn Millionen Einwohner der Industrie- und Hafenstadt Tianjin - ihre ersten Bausparverträge verkaufen.

Partner ist die Staatsbank "China Construction Bank", eine der vier großen Geschäftsbanken des Landes. Das Gründungskapital beträgt 150 Millionen Yuan. Um Geschäfte in einheimischer Währung machen zu können, hält die China Construction Bank 75,1 Prozent der Anteile, Schwäbisch-Hall 24,9 Prozent.

Die chinesische Bank stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden, Schwäbisch-Hall den Bankdirektor der neuen "Sino-German Bausparkasse". Die Bausparverträge werden über das Filialnetz der chinesischen Bank vertrieben, die das Hauptrisiko bei der Einschätzung der Bonität der Bausparkunden trägt.

Spektakulärer Abschluss

Das Pilotprojekt ist der wirtschaftlich spektakulärste Abschluss unter einem Dutzend deutsch-chinesischer Verträge und Vereinbarungen. Die Abkommen reichen vom Investitionsschutz bis zur gegenseitigen Übereinkunft, ein drittes deutsches Konsulat nach Schanghai und Kanton in der Provinzhauptstadt Chengdu zu eröffnen.

Die neue Bausparkasse ist das erste gemeinsame deutsch-chinesische Bankinstitut. Peking öffnet damit entsprechend seinen WTO-Zusagen den Kapitalmarkt für Auslandsbanken. Schwäbisch Hall hat ihr Ziel nach langem und mühsamen Markteintritt erreicht, der schon 1994 begann und 1998 dann zur Gründung einer Repräsentanz führte.

Sie hatte sich nach erfolgreichen Erfahrungen in Tschechien und Osteuropa zu einer Zeit nach China vorgewagt, als Betriebswohnungen noch vom Staat verteilt wurden. Schwäbisch-Hall betrat kompliziertes Neuland. Bankgeschäfte in Chinas Währung waren damals noch nicht erlaubt und keine Gesetze vorhanden.

Mit den Gründungsproblemen einer Bausparkasse mussten sich Dutzende Institutionen vom Staatsrat, Zentralbank, den Handelsämtern bis zu den Rechtsausschüssen des Parlaments und zuletzt Bundeskanzler Gerhard Schröder und Chinas Premier Zhu Rongji befassen.

Langfristig feste Zinssätze

Heute kann die deutsch-chinesische Bausparkasse ihren Kunden auch in China langfristig feste Zinssätze garantieren. Die Stadt Tianjin macht zudem mit einer städtischen Prämie auf den Zinssatz das Bausparen attraktiver.

In Tianjin kann Schwäbisch Hall testen, ob sich die Idee des Bausparens in dem seit 1998 freien Wohnungsbau durchsetzen kann und ob eine Auslandsbank daran auch etwas verdient. Schwäbisch Hall selbst schätzt das Wachstumspotenzial in Tianjin auf zehn Prozent pro Jahr und das Volumen des Baufinanzierungsmarktes im Jahr 2010 auf 2,7 Mrd. Euro.

Die deutsche Bausparidee konkurriert mit der von China nach Vorbild des Singapurer Pensionsfonds landesweit eingeführten "Housingfonds". Seit 1995 müssen alle Arbeitgeber für ihre Angestellten drei- bis fünfprozentige Zwangsabgaben auf Durchschnittslöhne leisten, die für Wohnungsbau angespart werden. Schwäbisch Hall kann aber mit Nachfrage privater Gewerbetreibender und Freiberufler rechnen, für die es weder Fonds noch Baukredite gibt. (DER STANDARD Printausgabe, 07.01.2004, Johnny Erling)

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