Pettersen: "Habe meine Kraft verbraucht"

26. Dezember 2005, 11:39
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Norweger siegte auch in Bischofshofen und gewann die Tournee, Martin Höllwarth verteidigte Platz zwei

Bischofshofen - Jetzt sind es bereits 1461 Tage. So lange mussten die ÖSV-Springer auf einen Erfolg bei der klassischen Vierschanzentournee warten. Da die 52. nun auch schon wieder vorbei ist, kommen 358 weitere dazu.

Morgenstern fiel zurück

Der 17-jährige Thomas Morgenstern führte in Bischofshofen nach dem ersten Durchgang ziemlich deutlich, er flog 138 Meter weit, hatte 6,3 Zähler Vorsprung auf den Finnen Matti Hautamäki. Der Kärntner wurde trotz wackligen Telemarks (zu) hoch bewertet, er hatte zudem einen sehr günstigen Wind erwischt. Morgenstern rutschte dann im Finale vom möglichen Stockerl auf den unbedankten vierten Platz ab.

Als ob Siege in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen nicht reichten, gewann schon wieder der Norweger Sigurd Pettersen. Entspannt landete er auf der umgebauten Paul-Außerleitner-Schanze im Finale bei 133,5 Metern und verbesserte sich von Rang vier auf eins. Der Slowene Peter Zonta bestätigte als Zweiter seinen Erfolg vom Bergisel. Janne Ahonen wurde Dritter.

Die Gesamtwertung holte sich Pettersen vor Martin Höllwarth und Zonta. Der Vorsprung war ein gewaltiger (35 Punkte), Norwegen stellte zuletzt vor zehn Jahren den Besten, es war Espen Bredesen und ein Vorbild des damals 13-jährigen Nachfolgers.

Nicht gleich alles zerreißen

Morgenstern reagierte relativ gelassen. "Der erste Durchgang war super, im zweiten war ich zu nervös. Man kann halt nicht gleich alles zerreißen. Ich habe noch viel Zeit." Höllwarth (29), in Bischofshofen Fünfter, dürfte ein bisserl weniger Zeit haben. Er gratulierte Pettersen: "Der war brutal stark, ich hatte keine Chance. Aber ich habe acht Sprünge von hoher Qualität hingelegt. Ich bin total glücklich mit mir."

Pettersen war quasi totaler glücklicher mit sich: "Ich bin sprachlos, ich habe meine gesamte Kraft verbraucht. Ich bin mit offenen Gedanken zur Tournee gekommen, wollte gut sein. Dass so etwas rauskommt, davon konnte ich nicht träumen. Ich habe stets gelächelt. Ich danke dem Team und meinem Trainer Mika Kojonkoski. Sie haben mir Selbstvertrauen gegeben."

Gutes Flugsystem und starke Nerven

Pettersen kommt aus dem 3000-Seelen-Örtchen Rollag, er ist 23 Jahre alt, studiert in Oslo Sport. Vor der Tournee gewann er drei Weltcupspringen, nun hat er die Zahl verdoppelt. "Sigurd hat derzeit das perfekteste Flugsystem, und er hat starke Nerven", lobte Sven Hannawald. Petterson hat dieser Tage rund 150.000 Euro verdient, ein Allradauto exklusive. Er haust in einem Studentenwohnheim unweit des heiligen Norweger-Berges Holmenkollen, teilt sich Bad und Küche mit drei Mitbewohnern. Über die Verwendung der unverhofften Euroschwemme entscheidet aber der Bürgermeister von Rollag (150 km westlich von Oslo), der zugleich Sigurds Vater ist. Steinar Pettersen gilt als sparsamer Mann, und so werden die Prämien des neureichen Sohnes sicher zunächst auf die Konten der örtlichen Bank wandern.

Österreichs Bilanz war gar nicht übel, Höllwarth (Ränge drei, zwei und zweimal fünf) und Morgenstern (zwei, acht, sieben, vier) waren stets in den Top Ten. Sonst schaffte dies keiner. ÖSV-Sportdirektor Anton Innauer bezeichnete die Leistungen der beiden als "fantastisch. Vielleicht fehlte das Quäntchen Glück. Aber Pettersen war davon nicht abhängig. Beeindruckend." (hac, DER STANDARD Printausgabe 07.01.2004)

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    Sigurd Pettersen gönnte sich drei von vier Vierteln.

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