Vom Propheten und den Wegen der Wahrheit

12. Jänner 2004, 16:11
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Walter Hörmann (42) will in Salzburg seit Jahresbeginn als Trainer die Offensive lehren

Wien/Salzburg - Walter Hörmann weiß wahrscheinlich, wie seine Anlagen und Ansichten sich für eine Laufbahn als Fußballtrainer eignen. Er kickte selber ausgezeichnet, wurde mit mehreren Klubs, darunter Austria Wien und Austria Salzburg, Meister. Und er arbeitet seit dem Ende seiner Karriere konsequent an seiner Weiterentwicklung. Im Unterschied zu vielen anderen, auch viel prominenteren Exkickern. Der mit Jahresbeginn angetretene Job als Trainer von Austria Salzburg (und Nachfolger von Lars Söndergaard) ist die bislang letzte Station eines Weges, der in der Betreuertätigkeit bei der Austria einen (allzu) frühen Höhepunkt fand und über den Umweg Liechtenstein (Vaduz, Team) nach Salzburg führte.

Als der Job bei der Austria nach viereinhalb Monaten (Hörmann: "Stronach hat sein Wort nicht gehalten, der Toni Pfeffer und ich sollten bis Sommer 2002 dort bleiben") Ende 2001 endete, sah er sich um und fand nichts Passendes. "Ich hätte nur ab der Regionalliga abwärts was gefunden." Er nahm sich des liechtensteinischen Klubs Vaduz (2. Schweizer Liga) an, rettete ihn vor dem Abstieg und probierte sein Konzept aus.

Das will er bei den Salzburgern wieder anwenden: Auf der Grundlage eines 4-4-2 wird eine offensive Spielanlage durchgeführt. "Vier Offensivspieler, drei von ihnen müssen heftig bei der Defensive mithelfen. Das Wichtigste: möglichst weit weg vom eigenen Tor den Ball erkämpfen."

Die geistige Wende, nach dem Ballverlust sich nicht in die eigene Hälfte zurückzuziehen, sondern schon in der fremden Spielhälfte zu attackieren, braucht freilich Zeit. "Bei Vaduz hat's vier Monate gedauert." In Salzburg findet er zwar ein tadelloses, von Söndergaard und seinem Vorgänger Backe eingeübtes 4-4-2 vor. Aber im vergangenen halben Jahr herrschte Unruhe im Verein: Managementdesaster mit einem Pseudoscheich und einem weiteren Pseudosponsor; haufenweise neue Spieler. Der Kader umfasst 30 Männer. "Ab Montag arbeite ich mit 22 Mann, nicht mehr." Ab Freitag ist aber auch Hallenturnier in Linz. Hörmann muss also innerhalb kürzester Zeit den Kader sichten und die schlechten Spieler aussortieren. Sollte das Konzept unter dem mörderischen Zeitdruck aufgehen und der Klassenerhalt (gegen die Hauptkonkurrenten Sturm und Kärnten) geschafft werden, sollte sich Hörmanns in Österreich etabliert haben. Das Abenteuer mit der Austria habe sein "Image beschädigt", sagt er. "Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Eigentlich wollte ich länger im Ausland bleiben, in der Schweiz habe ich mir einen Namen gemacht." St. Gallen und Young Boys Bern wollten ihn im Sommer 2003, aber er blieb in Vaduz.

Als dort weniger weiterging als versprochen, kam das Angebot Salzburgs. "Wenn wir überleben, habe ich einen interessanten jungen Kader, dann können wir angreifen." (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 07.01.2004)

  • Hörmann leitet sein erstes Training in Salzburg.

    Hörmann leitet sein erstes Training in Salzburg.

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