SS 433: Ein Doppelstern wie kein anderer

9. Jänner 2004, 15:27
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Schwarzes Loch zieht zuviel Materie aus dem "Geberstern" ab - und stößt das Gas fast mit Lichtgeschwindigkeit wieder aus

Atlanta - Nach 26 Jahren Forschung haben amerikanische Astronomen das Geheimnis eines ungewöhnlichen Doppelsterns in der Milchstraße gelüftet. Demnach saugt ein Schwarzes Loch Gas aus dem Stern SS 433 und schießt dieses fast mit Lichtgeschwindigkeit durch das All. Das gaben Wissenschafter der Georgia State University am Montag in Atlanta bekannt.

Seit langem im Fokus des Interesses

SS 433 fasziniert Astronomen bereits seit den siebziger Jahren, da er mit einem Rekordtempo von 77.232 Kilometern pro Sekunde Strahlen ausstößt - das entspricht einem Viertel der Lichtgeschwindigkeit. Das Sternenpaar kreist um eine leuchtend helle Scheibe im Sternbild Aquila in 16.000 Lichtjahren Entfernung. Die Scheibe verfinstert sich alle 13 Jahre, was die Forscher vermuten ließ, dass sich zu dieser Zeit jeweils ein kreisender Stern vor das Licht schob.

Den Wissenschaftern aus Georgia gelang es jetzt erstmals, einen Teil der Strahlen zu analysieren, wie sie auf einer Tagung des Astronomenverbandes mitteilten. Der sich verfinsternde Stern sei elf Mal schwerer als unsere Sonne, sagte Astronom Douglas Gies. Er bewege sich um ein Schwarzes Loch im Zentrum der Scheibe, und die Schwerkraft des Lochs ziehe Gas von dem Stern ab.

"Dem Nehmerstern wird es einfach zu viel."

"Das Schwarze Loch schafft es nicht, das gesamte Gas abzubauen, und es wird dann mit unglaublicher Geschwindigkeit in diesen Strahlen hinausgeschleudert", erklärte Gies. Das Gas habe eine Temperatur von mehr als 100 Millionen Grad. Herman Marshall von der Universität MIT sagte, das Schwarze Loch entspreche der Fläche des Großraums von Atlanta. Die Strahlen bedeckten das gesamte Areal der kontinentalen USA.

Bruce Margon vom Space Telescope Science Institute sagte, der Doppelstern fasziniere die Forschung vor allem auf Grund seiner Einzigartigkeit. "Nur in SS 433 weigert sich ein empfangender Stern, Gas von einem Geberstern aufzunehmen, und schleudert es stattdessen ins All", erklärte Margon. "Dem Nehmerstern wird es einfach zu viel." (AP)

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