Maßgeschneiderte Strategien

29. März 2006, 14:56
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Ohne Strategie keine erfolgreiche Markteinführung - Das gilt für Produkte wie für Bewerber - Die Strategie muss maßgeschneidert sein und zur eigenen Persönlichkeit passen

Die "Hoppla-jetzt-komm-ich-Strategie":

Viele Personalentscheider rümpfen zwar die Nase, wenn ein Bewerber aus heiterem Himmel im Büro einfällt. Aber die klein- und mittelständische Struktur der österreichischen Wirtschaft spricht für diese Bewerbungs-Variante. Viele dieser Unternehmen haben keine eigene Personalabteilung, betreiben keine gezielte Personalpolitik und sind daher interessiert, wenn attraktive Bewerber "von selbst" kommen.

Mit einem solchen Auftritt stellen Sie das unter Beweis, worauf es in der Arbeitswelt ankommt: Durchsetzungsstärke, Originalität und Flexibilität. Nötige Voraussetzungen: Selbstbewusstsein, "Schmäh" und Offenheit.

Die Call-Strategie:

Das Telefon ist eines der unterschätztesten Bewerbungsmedien. Viele glauben, dass der Telefon-Kontakt ohnehin nichts bringt. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Anruf bei einem Unternehmen bietet die Möglichkeit, ein Mehr an Informationen über Jobs zu gewinnen, und dem Unternehmen die wichtigsten Informationen über die eigenen Fähigkeiten zu liefern. So ist es empfehlenswert, auch bei älteren Stellenanzeigen im Unternehmen anzurufen, und zu fragen, ob die Stelle schon besetzt ist oder eine Bewerbung noch Sinn macht. Dabei kann man mit der Personalabteilung ins Gespräch kommen, Sympathie-Punkte sammeln.

Wichtig ist natürlich auch beim Marktauftritt via Telefon, dass man sich auf den Anruf in jeder Hinsicht gut vorbereitet. Höflichkeit, Verständlichkeit, Klarheit und Freundlichkeit sind Pflicht. Besonders gut kommen Humor und Begeisterung an.

Die Initiativ-Strategie:

Sie finden ein bestimmtes Unternehmen sehr interessant und bewerben sich, ohne dass das Unternehmen aktuell Stellen ausgeschrieben hat. Weil Ihre Bewerbung vom Unternehmen nicht nachgefragt wird, müssen Sie besonderes Interesse für Ihre Qualifikationen wecken. Nach Expertenschätzungen sind Initiativbewerber bei zehn bis 20 Prozent aller Besetzungen erfolgreich.

Die Selbsterfindungs-Strategie:

Eine besondere Form des initiativen Marktauftritts ist die Selbsterfindungs-Strategie, frei nach der Devise: Invent Your Job! In diesem Fall geht es darum, nach vorheriger gründlicher Analyse dem Unternehmen klar zu machen, dass eine neue Position geschaffen werden muss - nämlich Ihre. Diese Strategie ist bei Unternehmen erfolgversprechend, die keine starren Personalstrukturen haben.

Wenn Sie dem Unternehmer glaubhaft machen können, warum eine neue Stabstelle im Betrieb sinnvoll ist und welchen betriebswirtschaftlichen Nutzen Sie bringt, dann müssen Sie ihn in einem nächsten Schritt nur noch davon überzeugen, dass Sie die richtige Besetzung sind.

Die Netzwerk-Strategie:

Ein Großteil der Jobs wird gar nicht inseriert. Sie werden auf dem "geheimen" Jobmarkt vergeben - unter der Hand. Viele Unternehmen stellen Leute ein, die ihnen empfohlen werden, die sie über persönliche Kontakte kennen oder die sie direkt von den Unternehmen abwerben. Informelle Netzwerke, Seilschaften, Clubs und Organisationen prägen die Wirtschafts-und Arbeitswelt.

Diese Netzwerke sind Drehscheibe von Kontakten und Jobs. Die entscheidende Frage für jeden Bewerber ist daher: Wie lerne ich möglichst viele und möglichst die richtigen Leute kennen, die mich weiter empfehlen? Wenn Sie Teil eines Netzwerkes werden wollen, dann sollten Sie Ihre beruflichen und privaten Kontakte systematisch pflegen und entwickeln (und damit möglichst nicht erst in der akuten Phase der Jobsuche beginnen).

Wer networken will, sollte seine Neugierde, Aufgeschlossenheit und Offenheit gegenüber anderen Menschen nicht verstecken. ((DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2004, zug)

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    bild: veenenbos
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