Deutschland: Stärkster Rückgang seit 1993

8. Jänner 2004, 12:24
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In Deutschland wurden im Vorjahr massiv Arbeitsplätze gestrichen - Eine Besserung am Arbeitsmarkt wird erst für 2005 erwartet

Berlin - Das Statistische Bundesamt bestätigte am Dienstag die Vermutungen: In Deutschland sind 2003 sehr viele Arbeitsplätze gestrichen worden - so viele wie seit zehn Jahren nicht mehr. Im Jahresdurchschnitt 2003 gingen rund 38,3 Millionen Menschen einer Erwerbstätigkeit nach, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte. Das waren 392.000 Personen oder ein Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Einen stärkeren Rückgang der Arbeitsplätze gab es zuletzt im Rezessionsjahr 1993, als die Beschäftigung um 1,4 Prozentpunkte oder 513.000 gesunken war. Erstmals seit der Wiedervereinigung ging auch die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungssektor zurück. In absoluten Zahlen wurden die meisten Stellen im Baugewerbe und in der Industrie gestrichen.

Am Donnerstag wird die Zahl der Arbeitslosen im Dezember offiziell verkündet. Laut Medienberichten soll die Zahl der Erwerbslosen auf 4,31 Millionen gestiegen sein. Dies wäre der höchste Dezember-Wert seit 1997.

Reformen greifen

Wären nicht die Reformen auf dem Arbeitsmarkt gewesen, so hätte die Bilanz noch schlechter ausgesehen. Immer mehr Arbeitslose nehmen die neuen Zuschüsse für Existenzgründer in Anspruch. Durch diese so genannten "Ich-AGs" stieg die Zahl der Selbstständigen um 1,3 Prozent auf fast 4,2 Millionen.

Rasche Besserung ist auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht in Sicht. Diese Einschätzung vertrat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag, das in Berlin einen Ausblick ins neue Jahr wagte. Im Jahresschnitt werde die Zahl der Erwerbstätigen noch um 130.000 sinken. Erst für 2005 sei im Schnitt mit einem Anstieg um 230.000 zu rechnen. Die Zahl der Arbeitslosen werde 2004 im Jahresschnitt bei 4,3 Millionen liegen und damit etwas niedriger als im vergangenen Jahr. Für 2005 erwartet das DIW einen Rückgang um 125.000 Arbeitslose.

Für heuer und das nächste Jahr erwartet das DIW ein Wirtschaftswachstum von jeweils 1,4 Prozent. Die Regierung rechnet dagegen mit mindestens 1,7 Prozent.

Einig sind sich die DIW-Forscher jedoch mit dem Finanzministerium, wonach Deutschland 2005 erneut die Obergrenze des Maastricht-Stabilitätspakts bei der Neuverschuldung nicht einhalten könnte. Nach derzeitigem Stand könnte sich aber eine Punktlandung bei 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgehen. Für heuer rechnet das DIW mit 3,4 Prozent. Deutschland wird damit zum dritten Mal in Folge gegen den Stabilitätspakt verstoßen. (DER STANDARD Printausgabe, 07.01.2004, Alexandra Föderl-Schmid)

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