Thermik stoppt Morgenstern

6. Jänner 2004, 23:48
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Unvorteilhafte Bedingungen verhinderten möglichen Sieg in Bischofshofen - Pettersen gewinnt Konkurrenz und Gesamtwertung

Bischofshofen - Der Sieger der Vierschanzen-Tournee kommt erstmals seit zehn Jahren aus Norwegen: Sigurd Pettersen, der nach seinen Siegen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen der Favorit auf den Gesamtsieg gewesen ist, katapultierte sich am Dienstag in Bischofshofen nach einem vierten Zwischenrang zum dritten Tournee-Tagessieg und zum ersten Gesamt-Triumph. Thomas Morgenstern, der nach einem 138-m-Flug und Tageshöchstweite nach dem ersten Durchgang geführt hatte, fiel als bester Österreicher auf Platz vier, unmittelbar vor Martin Höllwarth, zurück. Bei Rückenwind war für den 17-Jährigen nicht mehr drinnen.

Bester Österreicher in der Gesamtwertung hinter dem nunmehr vierfachen Saisonsieger und Weltcup-Leader Pettersen wurde Höllwarth als Zweiter mit 35,1 Punkten Rückstand auf den Norweger. Morgenstern belegte den vierten Rang. Erstmals seit 15 Jahren gab es weder für Österreich noch für Deutschland einen Tagessieg.

"Voll nervös"

"Man muss nicht gleich alles zerreißen", sagte Morgenstern und gab zu, "voll nervös" gewesen zu sein. "Ich habe gewusst, dass die Bedingungen schlechter werden, das hat mich beunruhigt." Morgenstern, der vor knapp einem Jahr in Liberec seinen bisher einzigen Weltcupsieg gefeiert hat, suchte das Positive: "Im Vorjahr war ich Zehnter, heuer Gesamt-Vierter, wenn sich das weiter so halbiert, bin ich zufrieden."

ÖSV-Coach Hannu Lepistö war die Enttäuschung anzusehen, wie in Innsbruck stand keiner seiner Springer auf dem Podest. "Das ist hart, wenn man zwei Mal in Führung ist und es gibt keinen Sieg", sagte der Finne.

Lob für den Coach

Der zurückhaltende Pettersen ist mit Leib und Seele Skispringer ("Ich hab es auch genossen, als ich noch nicht top war") und er vergisst nicht, die Bedeutung seines Trainers Mika Kojonkoskis für sich selbst und das gesamte norwegische Team hervorzuheben. "Er hat uns Selbstvertrauen gegeben, hat Trainingsmethoden und technische Ideen verändert und vor allem positive Einstellung vermittelt", erklärte Pettersen.

Kojonkoski legt großen Wert auf ein optimales Team-Gefüge. "Wenn die Mannschaft intakt ist, kann jeder einzelne Energie daraus ziehen", sagt der Coach. Er bezeichnet Pettersen als Perfektionisten. "Das ist manchmal ein Problem, er denkt viel nach und will alles analysieren", erklärte Kojonkoski, selbst ein Spezialist für Biomechanik. "Aber beim Springen muss alles automatisch vom Kopf kommen." Eines der Erfolgsgeheimnisse des Finnen, der im Sportland Norwegen zum Trainer des Jahres 2003 gewählt wurde, ist es, das Nervensystem besonders zu aktivieren.

Physische Grundlagen

Pettersen vereint ideal die Voraussetzungen, die einen erfolgreichen Springer ausmachen: Er verfügt über optimales Fluggefühl, ist von Haus aus extrem leicht (um sein exaktes Gewicht macht er ein Geheimnis), wiegt bei 1,80 m Größe rund fünf Kilogramm weniger als Martin Höllwarth mit seinen 65 kg, hat aber dennoch genug Kraft für einen explosiven Absprung. Und er legt Wert darauf, sich nach dem Springen abzulenken. Der Student liest auch "schwere" Literatur (u.a. Bücher von Henrik Ibsen), hört Musik von Metallica bis Johann Sebastian Bach.

Der 23-jährige Pettersen hat große Jahre vor sich und die Perspektive des gesamten Teams hat Kojonkoski veranlasst, seine geplante Karriere als Politiker aufzuschieben. Er hat seinen Vertrag mit dem norwegischen Skiverband vorzeitig bis 2006 verlängert. Das Fernziel hat er immer vor Augen, wenn er sein Handy einschaltet. "Gold in Torino" steht da zu lesen. (APA/red)

Sigurd Pettersen

Geb.: 2.2.1980
Wohnort: Rollag, 90 km westlich von Oslo
Beruf: Sportstudent
Größe/Gewicht: 1,80 m/ca. 60 kg
Hobbies: Sport, Literatur, Musik

Mitglied des norwegischen Nationalteams seit 2002 Größte Erfolge: Gesamtsieger Vierschanzen-Tournee 2003/04; sechs Weltcupsiege; WM-Bronze Team 2003

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    Sigurd Pettersen gewann die 52. Tournee mit dreit Tagessiegen souverän

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