Todesopfer bei Protest irakischer Ex-Soldaten

7. Jänner 2004, 19:17
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Demonstration wegen ausstehendem Sold - Polizei eröffnete Feuer auf mehrere hundert Menschen - Zwei Franzosen in Falluja erschossen

Basra - In der südirakischen Stadt Basra hat die Polizei am Dienstag nach Augenzeugenberichten das Feuer auf protestierende Ex-Soldaten der irakischen Armee eröffnet. Dabei wurde ein Mann erschossen, mindestens drei weitere erlitten Verletzungen. Die Demonstranten wollten eine Bankniederlassung in ihre Gewalt bringen. Sie forderten die Überweisung der ihnen von den Besatzungsmächten zugesagten monatlichen Ausgleichszahlung in Höhe von 50 US-Dollar. Britische Panzer bezogen Stellung vor den Banken. In Basra und Umgebung sind derzeit rund 10.000 britische Soldaten stationiert.

Schüsse blieben unbestätigt

Ein Sprecher der britischen Armee bestätigte die Demonstration in Basra. Über Schüsse lägen ihm jedoch keine Informationen vor. Im Mai hatte US-Zivilgouverneur Paul Bremer die 400.000 Mann starke irakische Armee aufgelöst. Derzeit bauen die USA eine 40.000 Mann umfassende neue Armee auf. In der Tadji-Kaserne, 15 Kilometer nördlich von Bagdad, nahmen US-Befehlshaber Ricardo Sanchez und mehrere Regierungsratsmitglieder am Dienstag an einer Feierstunde für die 697 Soldaten des zweiten Bataillons der neuen irakischen Armee teil, die ihr Training abgeschlossen hatten.

Regierungsrat kritisierte Vorgehen bei US-Razzien

Ein Mitglied des von den USA eingesetzten Regierungsrates hat das Vorgehen von US-Soldaten bei Razzien im Irak scharf kritisiert. "Tausende werden an verschiedenen Orten im ganzen Land gefangen gehalten", sagte Mohsen Abdelhamid, der die sunnitische Islamische Partei in dem Gremium vertritt, dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera. Der Regierungsrat habe die Offiziere der Koalitionstruppen und US-Zivilgouverneur Paul Bremer bereits mehrfach über diese Missstände informiert, erklärte Abdelhamid, allerdings ohne greifbare Ergebnisse zu erzielen. "Das darf nicht so bleiben", sagte er.

Britische Soldaten bleiben noch mehrere Jahre

Die im Irak stationierten britischen Soldaten werden nach Einschätzung von Außenminister Jack Straw noch für mehrere Jahre im Land bleiben. Wann die Truppen abgezogen werden könnten, sei derzeit nicht absehbar, sagte Straw am Montag dem britischen Rundfunksender BBC. "Ich kann nicht sagen, ob es 2006, 2007 sein wird."

Falluja: Franzosen von Unbekannten erschossen

In Falluja sind zwei Franzosen erschossen und ein dritter französischer Bürger verletzt worden. Wie der Quai d'Orsay am Dienstag mitteilte, handelte es sich um Mitarbeiter von US-Unternehmen, die am Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur im Irak beteiligt gewesen waren. Nach Angaben von französischen Diplomaten waren die Franzosen am Montagabend in einem Wagenkonvoi unterwegs gewesen, als sie wegen einer Panne am Straßenrand anhalten mussten. Daraufhin wurden sie aus einem vorbeifahrenden Wagen von Unbekannten unter Beschuss genommen.

Aufforderung, Dorf zu räumen

Die kurdische Zeitung "Al Takhi", das Sprachrohr der Kurdenpartei KDP von Massud Barzani, berichtete, US-Truppen hätten 110 Familien, die zu den Anhängern Saddam Husseins gehörten, aufgefordert, ein mehrheitlich von Turkmenen bewohntes Dorf in der Nähe von Kirkuk innerhalb von zwei Wochen zu verlassen. Saddam Hussein hatte einst arabische Familien in den vorwiegend von Kurden und Turkmenen bewohnten Gebieten im Nordirak angesiedelt.

Das US-Zentralkommando gab bekannt, am vergangenen Wochenende hätten amerikanische Soldaten in der Umgebung der beiden nördlich von Bagdad gelegenen Ortschaften Balad und Mastul bei Razzien und Patrouillen insgesamt drei Verdächtige erschossen. Die US-Soldaten seien von den Männern mit Kalaschnikows angegriffen worden. (APA/Reuters/AP)

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