"Schurkenstaat" bietet Atomverzicht an

9. Jänner 2004, 07:09
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Nordkorea stoppt Atomwaffen unter Bedingungen - USA wollen Anlagen sehen - "Private" US-Delegation reist nach Pjöngjang

Pjöngjang/Tokio - Eine private US-Delegation ist am Dienstag nach Pjöngjang gereist, um dort möglicherweise den Atomkomplex Yongbyon zu besuchen. Nordkorea habe den Besuch der Atomanlage allerdings noch nicht fest zugesagt, sagte der Leiter der Delegation aus Akademikern, Mitarbeitern von US-Abgeordneten und Nuklearexperten in Peking. Unterdessen äußerte sich der südkoreanische Außenminister skeptisch, ob es noch im Jänner zu einer neuen Runde von Sechsergesprächen zur Nuklearfrage in Peking kommen werde. Er hoffe auf eine neue Runde "im ersten halben Jahr".

Privater Besuch

Die US-Delegation bestieg am Dienstag einen Linienflug von Peking nach Pjöngjang. "Es ist ein sehr privater Besuch. Wir repräsentieren weder die US-Regierung noch irgendjemanden sonst", sagte das Delegationsmitglied Jack Pritchard, früherer Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrates unter US-Präsident George Bush senior. Sollte der Besuch in dem Reaktorkomplex von Yongbyon tatsächlich stattfinden, so wäre es die erste Visite von US-Experten in der umstrittenen Anlage seit Beginn der jüngsten Nuklearkrise im Herbst 2002. Beobachter warnten jedoch davor, allein daraus die Bereitschaft Nordkoreas zu Konzessionen abzuleiten.

"Kühne Konzession"

Nordkoreas Staatsmedien intensivierten unterdessen erneut ihre Propaganda mit einem vollmundig als "kühne Konzession" angekündigten Angebot an die USA. Nordkorea sei bereit, "auf das Testen und die Produktion von Nuklearwaffen zu verzichten", schrieb die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Dienstag. Die USA fordern von Nordkorea nicht bloß das "Stoppen" oder "Einfrieren" von Atomanlagen, sondern deren kompletten Abbau. Washington besteht des weiteren darauf, dass Pjöngjang mit diesem Schritt in Vorleistung geht und lehnt eine Paketlösung mit Sicherheitsgarantien und Wirtschaftshilfen für Nordkorea ab.

US-Außenminister Colin Powell zufolge haben sich die Chancen für eine Neuauflage der Sechser-Gespräche über das nordkoreanische Atomwaffenpotenzial verbessert.

Er werte er das Angebot Nordkoreas, gegen Bedingungen auf die Nutzung von Atomkraft möglicherweise vollständig verzichten zu wollen, als "positiven Schritt", sagte Powell am Mittwoch in Washington. Ein "Durchbruch" oder "etwas Revolutionäres" sei das Angebot aus Pjöngjang jedoch nicht. (red/APA/Henrik Bork, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 7.1.2004)

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