"Langsamer und schmerzhafter Tod"

15. Jänner 2004, 14:58
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Parmalats Ex-Finanzchef Tonna beschimpft Journalisten und könnte sich gleichzeitig als Prophet erweisen

Rom - Der inhaftierte Ex-Finanzchechef des insolventen italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat, Fausto Tonna, ist am Montag im Justizpalast von Parma vernommen worden. Tonna, der am vergangenen Mittwoch verhaftet worden war, gilt als Drahtzieher des Finanzskandals, der zur Insolvenz des Milch-Multis geführt hat.

Vor der Vernehmung kam es zu Spannungen im Justizpalast. Der sichtbar von den Fotografen gestörte Tonna beschimpfte die Medienleute und wünschte ihnen einen "langsamen und schmerzhaften Tod".

Gegenseitige Beschuldigungen

Tonna ist einer der sieben Parmalat-Manager, die sich seit Mittwoch in Untersuchungshaft befinden. Er beschuldigt den Firmengründer Calisto Tanzi, einziger Verantwortlicher für die Bilanzfälschungen der Gruppe zu sein, die in den Firmenkassen ein Manko von zirka 13 Mrd. Euro aufgerissen haben.

Der seit neun Tagen inhaftierte Tanzi wies jedoch Tonnas Vorwürfe zurück und beschuldigte ihn, Drahtzieher des enormen Betrugs zu sein, dem 100.000 Investoren zum Opfer gefallen sind.

Die Ermittler fahnden inzwischen um die Auslandsaktivitäten Parmalats, der in fünf Kontinenten mit 139 Produktionswerken präsent ist. Nach Angaben der britischen Tageszeitung "Financial Times" (Montagsausgabe) hatte Parmalat sogar den Erwerb einer Bank in Nicaragua, der Banco Nicaraguense de Industria Y Comercio (Banic), erwogen, die sich am Rande des Konkurses befand. Die Operation kam wegen eines Betrugsskandals nicht zu Stande, in den die Bank verwickelt war und der 2002 zur Verhaftung des ehemaligen Präsidenten Nicaraguas, Arnoldo Aleman, geführt hatte.

Rolle der Banken im Visier

Die Ermittler in Mailand und Parma untersuchen intensiv die Rolle der Banken im Parmalat-Skandal. Die Staatsanwaltschaft von Parma ermittelt um die Verbindungen zwischen vier Banken - Deutsche Bank, San Paolo IMI, Capitalia und Monte Paschi - und dem Milch-Multi.

Top-Manager der vier Geldhäuser sollen in den kommenden Tagen vernommen werden, berichtete die römische Tageszeitung "La Repubblica" (Montag-Ausgabe). Rainer Masera, Präsident von San Paolo IMI, Italiens zweitgrößtem Geldhaus, war bereits am vergangenen Mittwoch vernommen worden. Die vier Banken reagierten am Montag mit starken Kursverlusten an der Mailänder Börse.

In dieser verworrenen Lage will die Regierung Berlusconi eine zentrale Behörde zur Kontrolle der Finanzmärkte einrichten, um weitere Skandale zu vermeiden, berichtete der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti im Interview mit der "Financial Times" (Montag-Ausgabe).

"Jeder begreift die Notwendigkeit, eine neue Regelungsform einzuführen", meinte Tremonti. Derzeit sind die Kontrollkompetenzen auf mehrere Institutionen, darunter die Mailänder Börsenaufsichtsbehörde Consob, die Notenbank und die Kartellbehörde, verteilt, was zu Koordinationsproblemen führe, meinte der Minister.

Ein Finanzmarkt - eine Kontrollbehörde

"Es gibt einen einzigen Finanzmarkt, daher muss es auch eine einzige Kontrollbehörde geben", berichtete Tremonti. Er arbeitet an einem Gesetzprojekt zur Einrichtung der Behörde, die die Regierung in den kommenden Wochen billigen will. Danach soll der Gesetzentwurf vom Parlament überprüft werden.

Italienische Medien spekulieren, dass Tremonti mit dieser Initiative die Macht des Notenbankchefs Antonio Fazio einschränken will. Fazio hatte sich in den vergangenen Monaten öfters über die wirtschaftspolitische Linie der Regierung Berlusconi kritisch geäußert. (APA)

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