Austrian-Chefpilot: "Richtige Entscheidung"

6. Jänner 2004, 21:15
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Triebwerksprobleme in 4.000 Metern Höhe - Jedes Triebwerk wird untersucht

Wien - Die genaue Ursache der Notlandung einer AUA-Maschine nahe von München blieb am Montag nach wie vor unklar: "Unser Flug meldete im Anflug Leistungsprobleme auf beiden Triebwerken", sagte Austrian Airlines Chefpilot Gustav Baldauf am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz der AUA am Flughafen Wien-Schwechat. Der Schub sei in etwa 4.000 Metern Höhe auf etwa 30 Prozent zurück gegangen. Er sprach von einer richtigen Entscheidung, auf der Wiese zu landen.

Mit der gedrosselten Leistung sei kein Horizontalflug mehr möglich gewesen, sagte Baldauf. Der Kapitän habe daher die Maschine, die um 7.50 Uhr in München landen hätte sollen, sieben Kilometer vom Flughafen entfernt zu Boden gebracht. Gegen 8.07 Uhr sei das Flugzeug auf einer Wiese gelandet.

Fahrwerke ausgefahren

Entgegen erster Berichte meinte Baldauf, dass die Fahrwerke der Fokker ausgefahren gewesen seien. Der Pilot habe sie wegen des hohen Luftwiderstandes zunächst wieder eingezogen, und kurz vor der Landung wieder aufgemacht. Möglicherweise seien die hinteren Räder noch nicht ganz heraußen gewesen.

Im Sinkflug sei die Maschine dann kontrolliert niedergegangen, sagte er. Mit einer Geschwindigkeit, die er auf rund 250 km/h schätzte, sei der Pilot gelandet. "Es war sicher eine fliegerische Glanzleistung", meinte Baldauf. Solche Notsituationen würden zudem hinreichend auf dem Simulator geübt.

Pilot "ein sehr guter Mann"

Der Kapitän, zu dem er keine genauen Angaben machen wollte, sei "von seinem Werdegang ein sehr guter Mann" im Alter von etwa 30 bis 35 Jahren. Bisher habe er rund 7.500 Flugstunden hinter sich gebracht und sei auch hauptsächlich mit der Fokker geflogen.

Das Flugzeug selbst sei zuletzt im Dezember einem so genannten A-Check unterzogen worden, die letzte große Überprüfung sei im vergangenen Frühjahr mit dem "C-Check" erfolgt, der einer Generalüberholung entspreche, sagte Herbert Reinisch, Leiter des AUA-Ingenieursbüros. Die Maschine, die das Kennzeichen OE-LFO trägt, habe rund 19.300 Flugstunden und 14.300 Landungen hinter sich gebracht. Derzeit seien zehn Maschinen dieses Typs bei Austrian und Tyrolean im Verkehr.

AUA-Vorstandsdirektor Vagn Sörensen sprach von "einem bedauerlichen Zwischenfall". Er kündigte Kulanzlösungen für die betroffenen an. Die 28 Passagiere und vier Crew-Mitglieder seien unverletzt geblieben, betonte AUA-Sprecher Johannes Davoras.

Präventivmaßnahmen

Nach der Notlandung einer AUA-Maschine des Typs Fokker 70 in der Nähe von München seien Präventivmaßnahmen eingeleitet worden und jedes Triebwerk werde untersucht, sagte AUA-Chefpilot Gustav Baldauf Montag Abend in der "ZiB 2". Der Flugzeug-Typ werde aber weiter geflogen und man könne auch beruhigt einsteigen, denn die Maschinen würden regelmäßig gewartet. Gebe es Hinweise auf ein Triebwerks-Problem, bleibe der Flieger am Boden.

Der Bericht der Flugunfallkommission liege noch nicht vor, so Baldauf Montag Abend. Die Flugschreiber würden über Nacht beziehungsweise am Dienstag ausgewertet. (APA)

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