Steirerobst: Agrana mit Pflichtangebot an Streubesitz abgeblitzt

7. Jänner 2004, 19:07
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Nur ein Fünftel des Free Float ins eigene Portfolio gebracht - Frist nochmals verlängert

Wien - Der Wiener Zucker- und Stärke-Konzern Agrana verlängert sein Pflichtangebot an den Streubesitz des steirischen Fruchtverarbeiters Steirerobst um weitere zehn Börsentage bis 20. Jänner. Nach dem ursprünglich bis 30. Dezember befristeten Offert, das nur von einem geringen Teil der Steirerobst-Kleinaktionäre angenommen wurde, hält die Agrana über die Steirische Agrarbeteiligungsgesellschaft rund 71,01 Prozent am Grundkapital des börsenotierten Obstveredlers. Vor dem Offert (geboten wurden 27,81 Euro je Aktie) hatte die Beteiligung 68 Prozent betragen.

Von den von den Kleinanlegern gehaltenen 162.455 Inhaberaktien, die einem Anteil von 13 Prozent des Grundkapitals entsprechen, wurden nur 37.622 Stück - rund 3,01 Prozent des Grundkapitals - zum Verkauf eingereicht. Agrana hat somit lediglich etwas mehr als ein Fünftel des Free Float in seinen Besitz gebracht und verfügt über die Steirische Agrarbeteiligungsgesellschaft nun über insgesamt 887.622 Inhaberaktien der Steirerobst AG, geht aus einer Pflichtveröffentlichung im Amtsblatt der "Wiener Zeitung" (Montag) hervor.

Angebot klar unter Buchwert

Wie berichtet hatte der Wiener Kleinaktionärsschützer Wilhelm Rasinger den Anlegern empfohlen, das Pflichtoffert nicht anzunehmen, da der Angebotspreis von 27,81 Euro klar unter dem Buchwert von deutlich über 30 Euro liege. Zudem biete die Aktie "interessante Zukunftsaspekte, weil Steirerobst vor allem im Osten sehr gut aufgestellt ist", hatte Rasinger, der auch im Steirerobst-Aufsichtsrat sitzt, erklärt.

Das Pflichtangebot der Steirischen Agrarbeteiligungsgesellschaft wird nun laut den Bestimmungen des österreichischen Übernahmegesetzes um 10 Börsentage verlängert. Damit wird die Angebotsfrist bis 20. Jänner erstreckt. Veranschlagt ist der Auskauf des Free Float mit insgesamt 4,5 Mio. Euro.

Nach dem Kauf der dänischen Vallo Saft, eines Fruchtsaftkonzentratproduzenten, im Frühjahr 2003 ist der mehrheitliche Einstieg bei Steirerobst für Agrana ein weiterer Schritt zum Ausbau des neuen Geschäfts Fruchtverarbeitung. Erst vor wenigen Wochen hatte Agrana die Übernahme der französischen Atys angekündigt, wie berichtet soll der Weltmarktführer von Industrie-Fruchtzubereitungen in vier Schritten übernommen werden.

Einfluss gesichert

Agrana, zur Hälfte zur deutschen Südzucker gehörend, hatte sich im Juni 2003 über eine Kapitalaufstockung mit einer Sperrminorität von 25,1 Prozent an der Steirischen Agrarbeteiligungsgesellschaft (Gleisdorf) beteiligt und sich damit einen beherrschenden Einfluss auf die Steirerobst gesichert.

Die übrigen Anteile an der Steirischen Agrarbeteiligungsgesellschaft, die als reine Holding für die Beteiligung an Steirerobst fungiert, halten der steirische Versicherer Grazer Wechselseitige (19,49 Prozent), die Raiffeisenlandesbank (RLB) Steiermark (23,09 Prozent), die Landeskammer für Land- und Forstwirtschaft Steiermark (12,97 Prozent) und Desserta (19,36 Prozent). Mit diesen hat Agrana vereinbart, dass längstens innerhalb Jahresfrist jeder Gesellschafter von ihm direkt gehaltene Beteiligungen an Steirerobst aufgibt und sie nur noch indirekt über die Steirische Agrarbeteiligungsgesellschaft gehalten werden. (APA)

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