Indien-Pakistan: Dialog über Kaschmir angekündigt

7. Jänner 2004, 21:28
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Laut Indiens Außenminister Sinha sollen Gespräche im Februar beginnen - mit Kommentar

Islamabad/Neu-Delhi - Nach zweieinhalb Jahren Eiszeit haben sich Indien und Pakistan am Montag auf die Wiederaufnahme ihres Dialogs geeinigt. Die Gespräche sollen bereits im Februar beginnen, kündigte der indische Außenminister Yashwant Sinha am Dienstag in Islamabad an. Dabei solle auch über die geteilte Kaschmir-Region verhandelt werden.

Sinha äußerte sich zuversichtlich, dass die Gespräche zu einem dauerhaften Friedensvertrag führen könnten. Auch Pakistan wertete die Annäherung als Durchbruch.

Der pakistanische Staatschef General Pervez Musharraf und der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee hätten sich bei ihrem Treffen am Montag auf die Wiederaufnahme des Dialogs verständigt, sagte Sinha. Vajpayee habe Musharraf aufgefordert, jede Verbindung Pakistans zu Terror und Gewalt in Kaschmir zu stoppen. Musharraf habe versichert, dass er von pakistanischem Territorium aus keine Unterstützung des Terrorismus zulassen werde.

"Sieg der Staatskunst"

Der pakistanische Informationsminister Sheikh Rashid Ahmed sagte, das Eis zwischen den lange verfeindeten Nachbarstaaten sei geschmolzen. Der pakistanische Außenminister Khursheed Mahmud Kasuri bezeichnete die Annäherung als "Sieg für den gesunden Menschenverstand, für die Mäßigung und die Staatskunst". Vor zwei Jahren waren die beiden inoffiziellen Atommächte wegen des Konflikts um die umstrittene Himalaya-Region Kaschmir an den Rand eines Krieges geraten. Ein Anschlag auf das indische Parlament in Neu-Delhi im Dezember 2001, hinter dem Indien pakistanische Drahtzieher ortete, führte zu einem fast totalen Abbruch der Beziehungen.

Der Gipfel der Mitglieder der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) in Islamabad, an dessen Rande das Treffen zwischen Musharraf und Vajpayee stattfand, endete mit der Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens ab 2006. In den sieben Ländern lebt rund ein Fünftel der Weltbevölkerung. Der SAARC gehören Pakistan, Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Nepal, Bhutan und die Malediven an. (AP, dpa, AFP, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 7.1.2004)

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    Der pakistanische Ministerpräsident Mir Zafarullah Khan Jamali (rechts) begrüßte seinen indischen Amtskollegen Behari Vajpayee

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    Indiens Premierminister Vajpayee (L) und der pakistanischer Militärmachthaber Musharraf (R) reichen sich erstmals seit mehr als zwei Jahren die Hände

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