Jubel bei der NASA

9. Jänner 2004, 11:43
posten

Roboter landet sicher auf dem Mars - Mit 5.400 Meter pro Sekunde in die Atmosphäre

Der Mars hat Besuch erhalten: Nach sieben Monaten und einer über 400 Millionen Kilometer langen Reise ist der amerikanische Roboter "Spirit" am frühen Sonntag auf dem Mars gelandet, den er in den kommenden Wochen auf Lebenspuren erkunden soll. Im Kontrollzentrum der Raumfahrtbehörde NASA im kalifornischen Pasadena brach Jubel aus, als das erste schwache Tonsignal kam, dass der Roboter geschützt durch seine Prallsäcke sicher im Gusev-Krater aufgeschlagen war. Zwei Wochen zuvor war der europäische Roboter "Beagle 2" auf dem Mars gelandet, doch fehlt von ihm seitdem jedes Lebenszeichen.

Zielgenau

Die letzte und schwierigste Phase des Fluges von "Spirit" hatte gegen 5.15 Uhr MEZ begonnen. Zu diesem Zeitpunkt warf der Roboter seine Reisehülle ab. Mit 5.400 Meter pro Sekunde schoss er dann 15 Minuten später in die Marsatmosphäre hinein. Die Reibung der dünnen Atmosphäre bremste Spirit auf 430 Meter pro Sekunde ab, bevor sich der Fallschirm öffnete. Dann zündeten Bremsraketen, und schließlich wurde der Fallschirm 15 Meter über dem Boden gekappt. Die Prallsäcke, die den Roboter völlig einhüllen, ließen den Roboter nach seinem ersten Aufprall wie einen Gummiball hunderte Meter über den Marsboden hüpfen, bevor er zur Ruhe kam.

Der beim zuständigen Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA für die Landungsphase verantwortliche Wissenschafter Rob Manning zeigte sich begeistert. "Spirit" habe alle Erwartungen übertroffen. Alles sei besser als bei den meisten Tests gelaufen, strahlte Manning bei der ersten Pressekonferenz nach der Landung: "Das war alles perfekt."

Freude

Auch NASA-Chef Sean OKeefe reagierte sichtlich erleichtert. Er sprach von einer "außerordentlichen Leistung". In offensichtlicher Anspielung an die letzten wegen menschlicher Fehler fehlgeschlagenen Landeversuche der NASA auf dem Mars 1999 und den Absturz der Raumfähre "Columbia" fügte OKeefe hinzu, der Erfolg zeige auch, dass die NASA lernfähig sei.

Sollte der Rover den Aufprall völlig unbeschadet überstanden haben, soll er sich mit Anbruch des Marstages zunächst langsam aus seiner inneren Schutzhülle befreien, seine Solarkollektoren entfalten und dann mit seiner Kamera erste Bilder von der Umgebung machen. Nach diesen ersten Aufnahmen wird der Mast mit der Kamera dann aufgerichtet, bis sich der "Kopf" des Roboters 1,5 Meter über den Marsboden erhebt.

Spaziergang

Die nächste Woche wird der Roboter dann an seinem Landeort verharren, bis er auf seinen sechs Rädern zu einer ersten Erkundungsfahrt aufbricht. Die NASA erwartet, dass die Abenteuer des Roboters und seines drei Wochen später folgenden Zwillingsbruders "Opportunity" wie schon bei dem "Sojourner"-Roboter der Pathfinder-Mission 1997 wieder Millionen Menschen vor die Fernseher locken wird. Die acht hoch auflösenden Kameras "Spirits" und die deutlich größere Kopfhöhe des neuen Roboters lassen fantastische Bilder vom Mars erwarten.

Zudem haben die Rover, die im Vergleich zu ihrem Vorgänger wahre Riesen sind, einen deutlich größeren Aktionsradius. So können "Spirit" und "Opportunity" an einem Tag weiter fahren als Sojourner während seiner ganzen Lebensdauer. Mit Hilfe ihrer Instrumente untersuchen sie dabei Gesteinsbrocken auf Wasserspuren und und organischen Moleküle - und damit auf Zeichen von Leben. Entscheidend sind dabei auch zwei in Deutschland gebaute Spektrometer für die Gesteinsanalyse.

Hoffnung

Doch zunächst muss der Landeroboter erst einmal zeigen, ob er die lange Reise und die harsche Landung vollkommen unbeschädigt überstanden hat. Der Projektmanager am JPL, Pete Theisinger, reagierte zwar wie alle seine Kollegen begeistert über den Erfolg, er warnte aber, da noch viele schwierige Aufgaben bevor stünden. (APA)

Link

NASA

  • Artikelbild
    foto: nasa
Share if you care.