USA auf dem Balkan im Vormarsch

5. Jänner 2004, 17:47
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Sarajewo stimmt neuen Militärbasen zu

Der Präsident ließ Zweifel über die Bündnistreue des kleinen Nachkriegslandes gar nicht erst aufkommen. "Wir erklären uns bereit, einer eventuellen Errichtung von militärischen US-Stützpunkten auf dem Hoheitsgebiet Bosnien-Herzegowinas zuzustimmen", versicherte Sulejman Tihic US-Unterstaatssekretär Marc Grossman in Sarajewo.

Die regen Aktivitäten der US-Administration in Südosteuropa dieser Tage zeigen, dass Washington seine Offensive zur Konsolidierung der Stützpunkte in der Region verstärkt - und sich zusätzliche strategische und logistische Optionen eröffnet, die den Betrieb weiterer Militärbasen in Westeuropa, und da vor allem in Deutschland, grundsätzlich entbehrlich machen.

Heuer soll Albanien, Kroatien und Mazedonien die Nato-Mitgliedschaft versprochen werden, Bosnien und Serbien-Montenegro winkt die Aufnahme ins Nato-Programm "Partnership for Peace".

Die Bestrebungen Brüssels hingegen, mit der Übernahme des Sfor-Oberkommandos 2004 der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungsunion (ESVU) endlich Leben einzuhauchen, erhielten mehrere Dämpfer. Hinter vorgehaltener Hand haben sich deutsche und französische Offiziere von Sfor sowie der Kosovo-Schutztruppe Kfor längst damit abgefunden, "dass die USA hier noch Jahrzehnte bleiben werden".

Auch der Nato-Oberkommandierende für Südeuropa, US-Flottenadmiral Gregory Johnson, bestätigte dem STANDARD in Sarajewo den neuen geostrategischen Stellenwert, den die USA Südosteuropa beimessen. "Jeder, der einen Blick auf die Sicherheitslage in der näheren Umgebung Europas wirft, wird verstehen, dass es südlich und östlich ein paar empfindliche Gegenden gibt." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 5./6.1.2004)

Markus Bickel aus Sarajewo
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