Russische Orthodoxie kennt Grenzen bei Heiligsprechungen

9. Jänner 2004, 21:45
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Unautorisierte Ikonen von Iwan "dem Schrecklichen" aufgetaucht - Metropolit gegen "Auswüchse einer krankhaften Religiosität"

Moskau - Vor "Auswüchsen einer krankhaften Religiosität" hat der Leiter des Außenamts der russisch-orthodoxen Kirche, Metropolit Kyrill von Smolensk, gewarnt vor. Zu diesen "Auswüchsen" zählt der Metropolit Bemühungen nationalistischer Kreise, eine Heiligsprechung von Zar Iwan IV. ("dem Schrecklichen") zu erreichen, wie Kathpress am Freitag berichtet. Kyrill wies darauf hin, dass der orthodoxen Kirche Russlands in ihrer Geschichte immer wieder ein "Schisma von rechts" gedroht habe.

In Russland sind Ikonen Iwans IV. in Umlauf gekommen. Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, der Moskauer Patriarch Alexi II., hatte erklärt, man könne nicht "gleichzeitig einen Mörder und die von ihm Ermordeten verehren." Sonst müsste man etwa den Metropoliten Philipp "dekanonisieren", den Zar Iwan habe ermorden lassen. Alexi hatte sich ursprünglich auch gegen die Heiligsprechung des 1918 ermordeten letzten Zaren Nikolaus II. ausgesprochen, die aber im Jahr 2000 beschlossen wurde. Der Patriarch hatte dabei geltend gemacht, dass ein politischer Mord nicht mit einem Martyrium gleichzusetzen sei.

Iwan IV. Wassiljewitsch (1533-1584) hatte im 16. Jahrhundert eine Schreckensherrschaft mit Tausenden von Opfern aus dem russischen Adel geführt und endete nach der Tötung seines Thronfolgers im Wahnsinn. In der Geschichtsschreibung gilt er als unberechenbarer und grausamer Herrscher - als Massenmörder, der in einem Anfall von Jähzorn seinen ältesten Sohn erschlug. (APA)

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    Iwan IV. Wassiljewitsch

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