Zukunftsperspektive made in Austria

6. Jänner 2004, 23:53
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Ein österreichisches Projekt soll Schülern im Kosovo eine neue Perspektive geben

Ein österreichisches Projekt soll Schülern im Kosovo eine neue Perspektive geben. Eine Wiener Berufsschule führt den Ausbau der technischen Schule in Suva Reka durch. Zehn Lehrer werden in Österreich ausgebildet.

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1800 Menschen besuchen die technische Schule in der kosovarischen Stadt Suva Reka. Allerdings gibt es dort nur elf Unterrichtsräume, die Folge ist ein Vier-Schicht-Betrieb zu je vier Stunden. Drei bis vier Schüler drängen sich um einen Tisch, es fehlt an Unterrichtsmaterialien, geheizt werden kann nur im Klassenzimmer mit Holzöfen. Ein österreichisches Projekt soll den Jugendlichen in der Region um Suva Reka nun neue Perspektiven geben.

Vier Jahre sind seit dem Kosovokrieg vergangen, gebessert hat sich die Situation der Menschen im Süden des Kosovo nicht wirklich. 60 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 18 Jahre, die Arbeitslosenrate beträgt 80 Prozent. "Wenn man auf den Kosovo vergisst, wird der explodieren", warnt angesichts der tristen Daten Erich Link vom Verteidigungsministerium.

Am Rand der 15.000-Einwohner-Stadt Suva Reka ist das österreichische Bundesheer im "Camp Casablanca" stationiert. Und beschäftigt sich dort nicht nur mit militärischen Aufgaben, sondern auch mit dem Wiederaufbau und Entwicklungszusammenarbeit. Partner sind dabei österreichische Universitäten und Schulen.

Wiener Stadtplaner

Die TU Wien hat im Auftrag des Verteidigungsministeriums ein Stadtplanungskonzept entwickelt, eines der Subprojekte ist die Erweiterung und Umstrukturierung der vorhandenen technischen Schule. Federführend dabei ist die Wiener Berufsschule für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

"Wir haben einen Vorschlag für den Erweiterungsbau der Schule ausgearbeitet", berichtet Direktor Heinz Pöcher. "Ziel ist eine Berufsschule unter anderem für die Sparten Baugewerbe, Elektroinstallation, Gas/Wasser/Heizung und Kfz-Mechanik." Durch die Ausbildung dieser Fachkräfte sollen dann auch Industrie-und Handwerksbetriebe wieder Belegschaft finden. Denn derzeit stehen viele Unternehmen still: Die Facharbeiter waren fast ausnahmslos Serben, und die haben das Gebiet verlassen oder sind vertrieben worden.

Schüler helfen

Die Kosten des Projektes: 1,75 Millionen Euro. "Das ist nur ein Drittel des Preises, der in Österreich zu zahlen wäre", merkt Pöcher an. Baumaterial soll vor Ort gekauft werden, bei der Errichtung selbst könnten österreichische Berufsschüler im Rahmen von Projektwochen mitarbeiten. Noch wird über die Finanzierung verhandelt, der Schuldirektor ist aber zuversichtlich.

Schon im Frühjahr beginnt die vom Wiener Stadtschulrat finanzierte Ausbildung der Lehrer. Zehn Pädagogen sollen in Österreich und dem Kosovo in mehreren Modulen geschult werden. Der Erweiterungsbau der Schule soll dann im Sommer starten, zwei Jahre später sollen die ersten Jugendlichen für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. (Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 5./6.1.2004)

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