Schatzsuche mit ersten Erfolgen

5. Jänner 2004, 16:57
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Konkursverwalter verzichtet auf "Luxusyachten und Jets" - Er will die verschwundenen Milliarden

Nicht Luxusyachten und Jets, sondern die versteckten Milliarden fordert der Konkursverwalter des italienischen Milchkonzerns Parmalat, Enrico Bondi, vom Unternehmensgründer Calisto Tanzi. Tanzi hatte im Verhör am Wochenende sein "gesamtes Vermögen", darunter auch Privatflugzeuge, zwei Luxusyachten, die Beteiligung an Parmalat Finanziaria und Parmatours zur Verfügung gestellt, um den Konkurs zu vermeiden. Die Mailänder Staatsanwaltschaft schätzt die Schulden der angeschlagenen Nahrungsmittelgruppe auf zehn bis 13 Mrd. Euro.

Inzwischen sind die Untersuchungsrichter von Mailand und Parma nach vierzehntätigen Ermittlungen auf die ersten Spuren des verschwundenen Schatzes gestoßen. Dessen Existenz wird vom Unternehmensgründer nach wie vor dementiert. Angeblich sollen die Ermittler ein Konto bei der spanischen Santander Bank auf den Cayman Inseln von 250 Mio. Euro ausfindig gemacht haben. Der Betrag sei kurz vor Jahresende nach Malta überwiesen worden.

Ermittlungen bei 20 Gläubigerbanken

Die mit der New Yorker Börsenaufsicht SEC kooperierenden Staatsanwaltschaften von Mailand und Parma planen Ermittlungen bei den rund 20 in- und ausländischen Gläubigerbanken.

Ermittelt wird auch wegen der Verantwortung der Investmentbanken bei der Begebung der acht Mrd. Euro Parmalat Bonds. "Wir müssen wissen, ob die Banken leichtsinnig oder fahrlässig gehandelt haben", so SEC-Chefinspektor Lawrence West. Regierungschef Silvio Berlusconi verwies wieder auf die Notwendigkeit einer Super-Finanzaufsicht. Diese würde die Funktionen der unabhängigen Zentralbank als Kreditaufsicht limitieren. Beobachter zweifeln aber an den Absichten des Ministerpräsidenten. Berlusconi erließ wie berichtet ein Gesetz, wonach Bilanzfälschung nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden kann. "Damit wird die Basis für Fälle wie Parmalat geschaffen", sagt dazu etwa der Wirtschaftsprofessor Fabrizio Onido. (DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.1.2004)

Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand
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