"Es sind ja so ehrgeizige Leut' hier"

9. Jänner 2004, 10:45
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Vom Riesenslalomsieger Benjamin Raich und vom geschlagenen Hausherrn Hermann Maier

Flachau - "Das ist ein großer Platz für mich", sagte Benjamin Raich, nachdem er sich nicht zum ersten Mal erdreistet hatte, just in Flachau, der Heimat des großen Meisters, ein Skirennen zu gewinnen. Dass Raich, den man den Blitz aus Pitz zu nennen pflegt, dem Herminator die Show gestohlen hätte, kann man aber so nicht sagen, schließlich waren 49 Konkurrenten im ersten Riesenslalomlauf flinker als der Hausherr, der also im zweiten fehlte. Raich, nunmehr elffacher Sieger von Weltcuprennen, findet es nach wie vor in Ordnung, dass die Piste auf dem Grießenkar Hermann Maier heißt, "er hat sich das ja wirklich verdient mit seinen vielen Siegen". 44 sind's im Weltcup.

Sieger und Verlierer üben sich Demut

Raich fand nach zweijähriger Pause zurück zum Sieg. Und damals, als er sich in Kranjska Gora den Riesenslalom holte, zog Hermann Maier seine ersten Schwünge nach dem Motorradunfall im Flachauer Schnee. Was ihm, Raich, zuletzt gefehlt hat zum Sieg? "Schwer zu sagen. Es waren Fehler dabei. Es kann aber auch sein, dass die anderen zu stark für mich waren."

Aus dem Sieger spricht Demut. Aus Hermann Maier auch. "Ich hab' ja schon vorher gesagt, dass man auf den Benni aufpassen muss und ich nur Außenseiter bin." Und überhaupt sei er zum Fan geworden in seiner rennfreien Zeit, die Distanz habe ihn gelehrt, den Sport objektiv zu beurteilen. Vor allem von Lasse Kjus (Platz fünf im Riesenslalom) ist er angetan. "Es ist ein Genuss, ihm zuzuschauen, wenn er so runterfährt. Für mich ist er heuer, wenn er so weitermacht, der große Favorit auf den Gesamtweltcup. Auch dem Benni gebe ich Chancen und dem Michael Walchhofer, ich selbst bin eigentlich nur Außenseiter." Das gilt nur für heuer, "denn ich glaub' schon, dass ich noch einige Jahre vor mir hab'. Es braucht noch Zeit. So ehrlich muss man sein."


Noch drei Chancen

Jedenfalls ist's für ihn, der in der Saison schon in Abfahrt wie Super-G gewonnen hat, das große Ziel, heuer auch noch im Riesensalom zu siegen, drei Gelegenheiten hat er noch in dieser Disziplin. Im Heimrennen sei gar nichts gegangen, nach dem Ausrutscher habe er gewusst, dass es vorbei ist, "aber es standen gerade an dieser Stelle so viele Leute, dass ich unbedingt ins Ziel fahren musst. Woanders wäre ich sicher am Tor vorbeigefahren."

Maier lobt also Raich und Kjus, und er vergisst auch nicht, die Flachauer zu loben, die sein Heimrennen so gut hingekriegt hätten. "Die Rennläufer kamen unbehelligt durch einen eigenen Korridor zum Lift. In Kitzbühel zum Beispiel musst dich durch die Massen kämpfen. Die Flachauer schaffen das immer sehr gut. Es sind ja so ehrgeizige Leut' hier herinnen."

Der Skiweltcup wird am nächsten Wochenende in Chamonix, Frankreich, mit zwei Abfahrten und einem Slalom inklusive Kombination fortgesetzt. Maier, der die Weltcupführung in Flachau ohne eigenes Zutun verteidigte, meint, dass die Kombinationen über den Weltcup entscheiden werden, weshalb auch er mit einem Kombieinsatz spekuliert. Darüber werde er aber erst nach den Abfahrten entscheiden. Zwar sei der Riesenslalom die physisch anstrengendste Übung im Skilauf, doch die psychisch schwierigste bleibe immer noch die Abfahrt: "Ein kleiner Fehler, und alles kann vorbei sein." (Benno Zelsacher DER STANDARD Printausgabe 05./06.01.2004)

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