Innsbruck: "Das Leben hat einen Sinn"

26. Dezember 2005, 11:39
posten

Der Slowene Peter Zonta gewann überraschend das Springen vom Bergisel, die 52. Tournee dürfte nach dem dritten Viertel entschieden sein.

Innsbruck- Das Goldene Dachl hat Peter Zonta zwar deutlich verfehlt, aber davon hatte er ohnehin nicht einmal geträumt. Noch nie ist der Slowene nach einem Weltcup-Skispringen auf dem Podest gestanden, in die Top Ten hat er es ein paar Mal geschafft, das war's aber auch. Talent war ihm natürlich nie abzusprechen. Gestern schlug ihm also das, was man salopp "die Stunde" nennt. Am 9. Jänner feiert er seinen 25. Geburtstag.

Zonta siegte also am Bergisel. Nach dem ersten Durchgang war er nur Achter, dann flog er 128,5 Meter weit und sah sich sehr aufgeregt jene sieben an, die noch oben standen. Minütlich wurde sein Lächeln breiter. Ein Bautechniker aus Laibach kann durchaus großen Spaß haben.

Ein breites Grinsen

Als dann der Tiroler Martin Höllwarth endlich unten (daheim) war und sich vom ersten auf den fünften Platz verschlechtert hatte, reichte das Grinsen mindestens von einem Ohr zum andern und wieder zurück. "Ein großes Gefühl. Darauf habe ich mein Leben lang gewartet. Ich springe seit 19 Jahren, jetzt ist es endlich passiert. Meine Karriere hat den Sinn bekommen", sagte Zonta und liebkoste den Pokal. Zweiter wurde der Finne Veli-Matti Lindstroem mit 11,3 Punkten Rückstand, Dritter dessen Landmann Janne Ahonen mit 11,4. Auch das machte irgendwie Sinn.

Es ist generell viel passiert. Niki Lauda war im Stadion. Und er hat alles messerscharf durchschaut. "Es kommt auf den Wind an. Es ist entscheidend, ob er von vorne oder von hinten kommt." Geklärt wurde auch, dass der Norweger Sigurd Pettersen nicht mehr Nachfolger von Sven Hannawald werden kann, der in der Saison 2001/02 alle vier Bewerbe gewann. Pettersen, Sieger in Oberstdorf und Garmisch, wurde Vierter, er nahm Höllwarth in der Gesamtwertung aber ein weiteres Zehntel eines Punktes ab. Das Guthaben vor dem Abschluss am Dreikönigstag in Bischofshofen (13.30/live ORF 1) beträgt stattliche und beruhigende 26,9 Zähler. Zonta schob sich auf Platz drei vor.

Der ÖSV wartet nun seit 1459 Tagen auf einen Erfolg anlässlich der Tournee. Höllwarth schien gestern nahe dran zu sein. Der erste Versuch war nämlich ein famoser, streifte fast das Goldene Dachl. 131,5 Meter, einmal die 20,0 für die perfekte Ausführung. Nur Ahonen kam weiter (132,5), aufgrund einer Landung, die der eines gebogenen Besenstils entsprach, hatte er aber ein Minus von vier Punkten. Weshalb Höllwarth im Finale eher patzte (117,5 m), erklärte er so: "Ich war bei diesen Verhältnissen chancenlos. Das Glück war nicht auf meiner Seite. Von der Luft her war nix drinnen." Mit jeglicher Form von Selbstkritik, zum Beispiel einem Hauch davon, sparte er. Thomas Morgenstern wurde Siebenter, seine Zufriedenheit war eine begrenzte: "Ganz okay. Ich habe mir aber mehr erwartet."

Nur sechs Österreicher beim Showdown

Von 13 Österreichern qualifizierten sich nur sechs für den Showdown der 30 Besten, das war nicht wirklich toll. Wolfgang Loitzl hielt sich brav (15.), Florian Liegl (22.), Andreas Widhölzl (24.) und Andreas Goldberger (28.) waren eher schlimm. Goldberger verstand den Wind nicht mehr: "Ich könnte wetten, dass er bei mir wieder von hinten kam."

Die Karawane zog noch gestern weiter nach Bischofshofen. Bereits heute steigt die Qualifikation. Und der Wind wird wieder blasen. Niki Lauda ist davon überzeugt. (Christian Hackl DER STANDARD Printausgabe 05./06.01.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Peter Zonta bei seinem ersten Triumph.

Share if you care.