Zonta überrascht am Bergisel

4. Jänner 2004, 22:47
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Der Slowene sprang im zweiten Durchgang an allen Favoriten vorbei zum Sieg - Höllwarth hinter Pettersen Fünfter

Innsbruck - Der Jubel blieb den Fans und ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer im Hals stecken. Martin Höllwarth vermochte am Sonntag im dritten Bewerb der Vierschanzen-Tournee am Innsbrucker Bergisel die klare Halbzeitführung nicht zu nützen und musste sich mit Rang fünf begnügen. Die Siegesserie von Sigurd Pettersen riss, nach dem vierten Rang, 0,1 Punkte vor Höllwarth, führt der Norweger vor der Schlusskonkurrenz am Dienstag in Bischofshofen (13:45/live ORF 1) souverän mit 26,9 Punkten Vorsprung auf den Tiroler. Überraschungssieger war der Slowene Peter Zonta.

Höllwarth zur Halbzeit voran

Höllwarth dominierte vor 22.000 Fans im ausverkauften Bergisel-Stadion den ersten Durchgang dank guter Weite (131,5 m) und perfekter Landung, hatte 3,7 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Norweger Lars Bystöl, 4,4 auf Pettersen (4./"Ich denke, ich werde jetzt die Tournee gewonnen") und 7,8 auf Zonta (8.). Doch im Finale kam der Zillertaler über 117,5 m nicht hinaus, siebeneinhalb Meter fehlten zum so ersehnten ersten Erfolg bei der 13. Tournee-Teilnahme.

"Ich war chancenlos bei diesen Verhältnissen, das Glück war nicht ganz auf meiner Seite, aber es wird schon noch kommen", meinte der Vorjahrs-Dritte und sprach damit den herrschenden Rückenwind an. Vor dem Finale am Dreikönigstag hat er kaum noch Hoffnungen auf den Gesamtsieg. "So wie mir das Glück derzeit beschieden ist, ist nichts mehr drinnen." Während Höllwarth zunächst die Windbedingungen als Grund für seine frühe Landung nannte - die Voraussetzungen im Finale mit sehr kurzem Anlauf wären eigentlich ideal für den Mann mit dem starken Absprung gewesen - sprach Trainer Hannu Lepistö auch von einem nicht optimalen Flug. "Es war ein guter Sprung für eine solche Situation, aber nicht mit so hohem Niveau wie in Garmisch."

Erfüllung eines Lebenstraum

Zonta hatte sich vom achten Platz (128,0 m) mit einem 128,5-m-Flug bei verkürztem Anlauf an die Spitze gesetzt und wurde nicht mehr übertroffen. "Ich springe seit 19 Jahren, habe immer vom Sieg geträumt, jetzt ist es endlich passiert", freute sich der Laibacher, der am 9. Jänner seinen 25. Geburtstag feiert, nach seinem Premieren-Erfolg vor den Finnen Veli-Matti Lindström und Janne Ahonen, dem Vorjahrssieger. Er schob sich in der Gesamtwertung auf Rang drei vor, 13,7 Punkte hinter Höllwarth.

Innauer nannte einen sehr guten Finalsprung und "riesengroßes Windglück" als Gründe für den Erfolg Zontas. "Danach ist es deutlich schlechter geworden", sagte Innauer und wurde durch die Weiten der letzten sieben Springer bestätigt. Deren bester war Ahonen mit 121 m.

Morgenstern sprang mit der Elite mit

Thomas Morgenstern hatte mit 118,5 m (nach 128,5 im ersten Durchgang) Höllwarth knapp übertroffen, fiel aber von der fünften an die siebente Stelle zurück. "Mir imponiert, dass er bei diesen Bedingungen imstande ist, mit den Besten der Welt mitzuspringen", lobte Innauer den jungen Kärntner, der bei der Tournee sein Comeback nach einmonatiger Pause gibt. Der Zweite von Oberstdorf war aber selbst nicht zufrieden. "Ich hätte mir mehr erwartet, deshalb bin ich schlecht drauf", sagte der Teenager. Drittbester Österreicher war Wolfgang Loitzl, der als Mitglied des nationalen Kontingents Rang 15 belegte. "Ich hoffe, dass das eine Empfehlung für die Rückkehr ins Weltcup-Team war", erklärte der Steirer, der sich mit dem Sieg im Kontinentalcup in Seefeld Selbstvertrauen geholt hatte.

Von 13 angetretenen Österreicher waren sechs im Finale dabei (u.a. scheiterten Andreas Kofler, Reinhard Schwarzenberger und Christian Nagiller), hatten aber bei Rückenwind und kurzem Anlauf keine Chance. "Da gelingt der beste Sprung der gesamten Tournee und dann ist man 30.", ärgerte sich Andreas Goldberger nach Rang 28. Der Vorjahrs-Zweite Florian Liegl landete an der 22. Stelle, Andreas Widhölzl wurde 24.

Flüge in Bischofshofen

Nun gilt die Konzentration dem Dreikönigsspringen in Bischofshofen. Die umgebaute Außerleitner-Schanze sollte Sprünge bis in den Bereich von 150 m ermöglichen (Rekord derzeit 139 m von Sven Hannawald). "Ich hoffe, dass es dort klappen wird mit dem ersten Sieg", erklärte Innauer. Vor dem Finale im Pongau, zu dem die Österreicher mit einem Blackhawk-Bundesheer-Hubschrauber am Sonntagabend anflogen, sind die Österreicher schon in 15 Tournee-Bewerben sieglos, der bisher letzte Erfolg gelang Andreas Widhölzl am 6. Jänner 2000 in Bischofshofen. (APA)

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    Martin Höllwarth steigt in den Himmel über Innsbruck

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    Sieger Peter Zonta: "Ich habe 19 Jahre auf diesen Augenblick gewartet."

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