Tanzi bietet Privatvermögen zu Parmalat-Rettung an

4. Jänner 2004, 19:30
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Verhafteter Firmengründer bereit, mit Manager Bondi für Konzernrettung zu kooperieren

Rom - Acht Tage nach seiner Festnahme hat sich der Firmengründer des insolventen italienischen Nahrungsmittelkonzerns Parmalat, Calisto Tanzi, bereit erklärt, mit dem Manager Enrico Bondi zur Rettung seines Konzerns zusammenzuarbeiten. Der 65-jährige betonte, er wolle dem mit der Sanierung des Unternehmens beauftragten Bondi sein Privatvermögen zur Verfügung stellen, um Parmalat den Konkurs zu ersparen.

Tanzis Angebot

In einer schriftlichen Erklärung an Untersuchungsrichter Guido Salvini sagte Tanzi, er wolle unter anderem seine beiden Yachten, die von seiner Tochter geleitete Reisegesellschaft Parmatour, sowie sein Aktienpaket an der von Parmalat kontrollierten Finanzgesellschaft Parmalat Finanziaria zur Rettung des Konzerns anbieten.

Die Initiative Tanzis bezeuge laut den Rechtsanwälten den guten Willen des Ex-Milchzaren, der um die Zukunft seines Unternehmens und seiner Mitarbeiter sehr besorgt sei. Parmalats Sonderkommissar Bondi, der seit drei Wochen den insolventen Konzern leitet, reagierte jedoch kritisch auf Tanzis Geste. "Ich brauche keine Yachten, ich möchte wissen, wo das Geld der Gruppe verschwunden ist", meinte Bondi.

Auch amerikanische Justizbehörden ermitteln

Die Parmalat-Insolvenz wird immer mehr zu einem internationalen Skandal. Auch die amerikanischen Justizbehörden leiteten eine Untersuchung um den größten europäischen Finanzskandal der letzten Jahrzehnte ein. Im Laufe einer Durchsuchung in der New Yorker Wohnung von Tanzis Vertrauensmann, Gianpaolo Zini, seien interessante Dokumente beschlagnahmt worden, berichteten italienische Medien. Zini, der als Tanzis "rechte Hand" gilt, befindet sich seit Mittwoch in Mailand in Untersuchungshaft.

Ermittelt wird auch wegen der Verantwortung der Investmentbanken, die Parmalat bei der Ausgabe von Anleihen begleitet haben. Die US- Börsenaufsicht, die Parmalat wegen Irreführung von Anleihen- Investoren verklagt hat und hohe Geldstrafen für den Konzern fordert, spricht von "einer der größten und schamlosesten Finanzbetrügereien in der Unternehmensgeschichte".(APA)

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