Ermittler suchen Tanzis Geheimkonten

5. Jänner 2004, 16:57
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250 Millionen Euro sollen auf Malta gelandet sein - Dutzende von Gläubigern bestürmen die Banken

Rom - Die italienischen Ermittler, die die Insolvenz des Nahrungsmittelkonzerns untersuchen, suchen nach einem Geheimkonto auf Malta, auf dem 250 Millionen Euro gelandet sein könnten. Das Geld war 2001 nach der Emission eines Parmalat-Bonds im Wert von 500 Millionen Euro verschwunden, berichteten italienische Medien am Samstag. Bankkonten des Parmalat-Firmengründers Calisto Tanzi werden auch in Ecuador gesucht. Tanzis Rechtsanwalt Fabio Belloni hatte jedoch am Freitag bestritten, dass ein "Geheimschatz" Parmalats im Ausland versteckt sei.

Sonderkommissar

Auch der mit der Parmalat-Sanierung beauftragte Sonderkommissar Enrico Bondi arbeitet auf Hochtouren. Er setzte eine auf Konkursverfahren spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei in New York ein, um Parmalat vor den Gläubigern zu retten. Die Rechtsanwaltskanzlei "Weil Gotshal and Manges" hatte bereits skandalumwitterte Großkonzerne wie Enron und Worldcom verteidigt. Bondi beauftragte die prestigereiche Rechtsanwaltskanzlei, da mehrere nordamerikanische Investoren, die wegen der Parmalat-Pleite enorme Verluste erlitten haben, rechtliche Schritte gegen den italienischen Nahrungsmittelkonzern planen.

Druck der Investoren wird stärker

Der Druck der von der Parmalat-Insolvenz beschädigten Investoren wird immer stärker. Dutzende von Personen bestürmten in den letzten Tagen die Banken von Collecchio bei Parma, dem Sitz von Parmalat, und verlangten ihre Kredite zurück. Es handelt sich vor allem um Milchlieferanten und Angestellte Parmalats. "In Collecchio ist es zu Panikreaktionen wie nach der Krise in Argentinien gekommen", berichteten lokale Medien.

Klagen per Website einreichen

In dieser schwierigen Situation richtete die Staatsanwaltschaft von Mailand eine Web-Seite ein, auf der Investoren ihre Klagen gegen Parmalat einreichen können. Die Investoren werden aufgefordert, Details über die Parmalat-Anleihen oder Aktien zu liefern, die in ihrem Besitz sind. Hunderte von Investoren hatten in den vergangenen Tagen gegen Parmalat eine Klage wegen Betrugs eingereicht. Die Parmalat-Insolvenz betraf laut Medienberichten zirka 100.000 Personen.

Hausarrest

Die Familie des seit einer Woche inhaftierten Firmengründers Tanzi drängt, dass der Industrielle auf Hausarrest gesetzt wird. Sie befürchten, dass der stark deprimierte Großunternehmer einen weiteren Herzinfarkt wie bereits im Jahr 1999 erleiden könnte. Ein Arzt des Mailänder Gerichts hatte Tanzi am Freitag untersucht. Kommende Woche soll über seine Enthaftung entschieden werden.

Tanzis Sohn dementiert "Geheimschatz" im Ausland

Stefano Tanzi, Sohn von Calisto Tanzi, hat geheime Auslandskonten dementiert, die sein Vater Calisto Tanzi laut den Ermittlern in den letzten Jahren angelegt haben soll. "Es gibt keinerlei Geheimschatz, dies ist offensichtlich. Andernfalls hätte mein Vater das Unternehmen gerettet", sagte Tanzi junior nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Libero" (Sonntag-Ausgabe).

Der 35-jährige Stefano Tanzi bestätigte, seinem autoritären Vater den Rücken gekehrt zu haben. "Ich habe es bereits den Staatsanwälten erklärt, ich habe mit meinem Vater jeglichen Kontakt abgebrochen", sagte der junge Unternehmer. Der Spross der Unternehmerfamilie, den Calisto Tanzi an die Spitze des Parmalat-eigenen Fußball-Erstligisten AC Parma gestellt hatte, sagte, er habe erst vor wenigen Wochen bei einer dramatischen Sitzung der Manager der Gruppe über die exorbitanten Fehlbeträge von über 13 Mrd. Euro erfahren, die sein Vater in den Firmenkassen verursacht hatte.

Konzern wurde allein geführt

"Mein Vater hat allein den Konzern geführt, wir Kinder sind immer ausgeschlossen geblieben", sagte Stefano Tanzi. Nur die älteste Tochter der drei Tanzi-Kinder, die 36-jährige Francesca, habe mit ihrem Vater in dieser schwierigen Phase Kontakt gehalten und ihn in der Mailänder Strafanstalt San Vittore besucht, berichteten italienische Medien. (APA

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    Parmalat-Gründer Calisto Tanzi befindet sich nach wie vor in U-Haft

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