Benni Raich gewinnt Flachau-RTL

9. Jänner 2004, 10:45
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Christoph Gruber Vierter und zweitbester Österreicher - Hermann Maier mit dem schlechtesten Resultat seiner Weltcup-Karriere

Flachau - Die ÖSV-Riesentorläufer haben es am Samstag in Flachau ihren Kritikern gezeigt. Im fünften Riesentorlauf der Weltcup-Saison feierten die ÖSV-Asse ihren ersten Sieg. Benjamin Raich triumphierte vor 15.000 begeisterten Fans im rot-weiß-roten Heimspiel überlegen vor dem italienischen Halbzeit-Führenden Massimiliano Blardone (+0,70 Sekunden), dem Norweger Bjarne Solbakken (0,82) und dem Tiroler Christoph Gruber (0,92).

"Ein Traum"

Raich beendete auf seinem Lieblingshang, der "Hermann-Maier-Weltcup-Strecke", auch seine lange persönliche Durststrecke, denn zuletzt hatte der nunmehrige Sieger von elf Weltcup-Rennen (sechs Slaloms, fünf Riesentorläufe) am 21. Dezember 2001 gewonnen - im Riesentorlauf von Kranjska Gora. "Dieser Sieg ist ein Traum. Die Strecke liegt mir, außerdem taugt es mir irrsinnig, vor so einer Kulisse zu fahren", jubelte der 25-Jährige, der sich als wahrer Flachau-Spezialist bezeichnen darf.

"Der Weltcup ist kein Wunschkonzert"

1999 gewann der Pitztaler das Maiersche Heimrennen und 2002 war Raich in Flachau Zweiter gewesen. Die lange Pause zwischen seinem zehnten und elften Weltcup-Erfolg, immerhin mehr als 24 Monate, nahm Raich stets locker. "Man muss Geduld haben. Der Weltcup ist kein Wunschkonzert. Ich habe die notwendige Geduld bewiesen", so Raich, der 22.432 Euro Siegprämie einstreifen durfte.

Auch die ÖSV-Spitze, die trotz der mageren RTL-Resultate in diesem Winter nichts von einer Krise wissen wollte, atmete tief durch. "Wir haben auf diesen Sieg gewartet. Mannschaftlich waren wir immer stark, aber es reichte bis heute nie für ganz oben. Ich bin froh, dass es ausgerechnet vor eigenem Publikum geklappt hat", freute sich Alpinchef Hans Pum. Und auch ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel jubelte mit: "Die Freude ist groß, dass der Benni so ein schwieriges Rennen gewonnen hat."

Mannschaftlich stark

Mit den Rängen eins (Raich), vier (Gruber), acht (Heinz Schilchegger), zwölf (ex aequo Stephan Görgl und Andreas Schifferer) und 15 (Stephan Eberharter) zeigte sich Rot-Weiß-Rot vor Heimpublikum auch mannschaftlich in ausgezeichneter Verfassung. Raich krönte das Ergebnis mit dem ersten Saisonsieg des ÖSV in einer technischen Disziplin (Slalom und Riesentorlauf). Am Sonntag hat Raich, der über Weihnachten von einem Virus heimgesucht worden war, im Slalom (9.30/12.30) sogar die Chance auf das Flachau-Double.

Gruber überglücklich

Überglücklich mit Rang vier war auch der Tiroler Gruber. "Ich hatte im Riesentorlauf heuer noch kein Resultat, jetzt ist es mir endlich gelungen. Und das in Österreich." Am Podest schrammte der Schwazer auf Grund eines groben Schnitzers im Mittelteil um 0,10 Sekunden vorbei. "Ganz ohne Fehler geht es eben bei mir leider nicht", so Gruber.

Debakel für Herminator

Erheblich getrübt war die Stimmung im randvollen Flachau zunächst wegen des schwachen Abschneidens von Lokalmatador Hermann Maier. Mit Rang 50 setzte es für den "Herminator" ausgerechnet auf "seiner" Strecke das schlechteste Resultat seiner Karriere. Bisher war dies ein 36. Rang in der Abfahrt von Val d'Isere im Jahr 2000 gewesen. Kurios: Selbst der Argentinier Simari Birkner war an diesem Tag schneller als der "Herminator".

Der mit Nummer 19 gestartet Salzburger kam auf seiner Heimstrecke von Beginn an nicht ins Fahren, hatte bei der zweiten Zwischenzeit schon 1,46 Sek. Rückstand und rutschte dann im unteren Streckenteil bei einem Rechtsschwung auch noch auf dem Skischuh aus. Nur mit Mühe schaffte Maier noch noch das nächste Tor, an eine Qualifikation für die Besten 30 war aber nicht mehr zu denken.

"Froh, dass es vorbei ist"

Der 31-Jährige nahm die gewaltige Schlappe aber mit einem Lächeln hin, gewaltige Last schien von seinen Schultern zu fallen. "Ich bin froh, dass es vorbei ist. Die nötige Ruhe zu finden, ist zu Hause am schwierigsten", berichtete Maier vom großen Rummel rund um sein Heimrennen. Vielleicht hatte sich Maier, wie von ÖSV-Alpinchef Hans Pum vor dem Riesentorlauf in Erwägung gezogen, einfach viel zu viel vorgenommen. "Ich fahre im Training wirklich gute Läufe. Im Rennen will ich dann immer noch mehr", argumentierte Maier in diese Richtung.

Dass es für den Flachauer nach seiner langen Verletzungspause vor allem im Riesentorlauf nicht nach Wunsch läuft, ist auf Grund der rasenden Entwicklung sowie des hohen Schwierigkeitsgrades in dieser Disziplin fast logisch. "Ich habe vor der Saison gesagt, dass es im Riesentorlauf am schwierigsten wird." Aber Maier wäre nicht Maier, würde nicht noch ein entscheidender Nachsatz folgen: "Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis ich auch wieder einen Riesentorlauf gewinne." (APA/red)

Ergebnisse vom Weltcup-Riesentorlauf der Herren am Samstag in Flachau:

 1. Benjamin Raich (AUT)    2:22,54        
 2. Massimil. Blardone (ITA) + 0,70 
 3. Bjarne Solbakken (NOR)   + 0,82 
 4. Christoph Gruber (AUT)   + 0,92 
 5. Lasse Kjus (NOR)         + 0,93 
 6. Aksel Lund Svindal (NOR) + 1,38 
 7. Davide Simoncelli (ITA)  + 1,44 
 8. Heinz Schilchegger (AUT) + 1,51 
 9. Christian Mayer (AUT)    + 1,64 
  . Manfred Mölgg (ITA)      + 1,64 
11. Arnold Rieder (ITA)      + 1,67
12. Alberto Schieppati (ITA) + 1,85 
  . Andreas Schifferer (AUT) + 1,85 
  . Stephan Görgl (AUT)      + 1,85 
15. Stephan Eberharter (AUT) + 1,89 
16. Ivica Kostelic (CRO)     + 1,90 
17. Michael Gufler (ITA)     + 2,14 
18. Dane Spencer (USA)       + 2,22 
19. Thomas Grandi (CAN)      + 2,24 
20. Jean-Philippe Roy (CAN)  + 2,31 
21. Marco Büchel (LIE)       + 2,32 
22. Raphael Burtin (FRA)     + 2,38 
23. Fredrik Nyberg (SWE)     + 2,47 
24. Hans Knauß (AUT)         + 2,51 
25. Ambrosi Hoffmann (SUI)   + 2,52 
26. Joel Chenal (FRA)        + 2,90 
27. Jeff Piccard (FRA)       + 2,91 
28. Truls Ove Karlsen (NOR)  + 2,94 
29. Kjetil Jansrud (NOR)     + 2,96 
30. Didier Cuche (SUI)       + 9,72

Zweiter Lauf:

1. Benjamin Raich (AUT), 2. Davide Simoncelli (ITA) +0,23, 3. Manfred Mölgg (ITA) +0,25, 4. Christoph Gruber (AUT) +0,28, 5. Bjarne Solbakken (NOR) +0,42, 6. Alberto Schieppati (ITA) +0,49, . Arnold Rieder (ITA) +0,49, 8. Jean-Philippe Roy (CAN) +0,55, . Stephan Görgl (AUT) +0,55, 10. Stephan Eberharter (AUT) +0,67, 11. Lasse Kjus (NOR) +0,70, 12. Aksel Lund Svindal (NOR) +0,72, weiter: 16. Christian Mayer (AUT) +0,90, 17. Andreas Schifferer (AUT) +0,96, 19. Heinz Schilchegger (AUT) +1,07, 26. Hans Knauß (AUT) +1,38 Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.: Bode Miller (USA)

Erster Lauf:

1. Massimil. Blardone (ITA) 1:11,23 Min., 2. Benjamin Raich (AUT) +0,55 Sek., 3. Bode Miller (USA) +0,70, 4. Lasse Kjus (NOR) +0,78, 5. Bjarne Solbakken (NOR) +0,95, 6. Heinz Schilchegger (AUT) +0,99, 7. Christoph Gruber (AUT) +1,19, 8. Aksel Lund Svindal (NOR) +1,21, 9. Christian Mayer (AUT) +1,29, 10. Andreas Schifferer (AUT) +1,44, 11. Thomas Grandi (CAN) +1,60, 12. Fredrik Nyberg (SWE) +1,61, 13. Marco Büchel (LIE) +1,64, 15. Hans Knauß (AUT) +1,68, . Ivica Kostelic (CRO) +1,68, weiter: 19. Stephan Eberharter (AUT) +1,77, 21. Stephan Görgl (AUT) +1,85
Nicht im Finale der besten 30:
40. Kalle Palander (FIN) +2,74, 42. Patrick Bechter (AUT) +2,83, 50. Hermann Maier (AUT) +3,58
Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.:
Rainer Schönfelder (AUT), Giorgio Rocca, Peter Fill (beide ITA)

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    Der überglückliche Sieger Benjamin Raich (li) und ein fairer und gut gelaunter Verlierer Massimiliano Blardone.

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    Völlig missglückte Fahrt von Lokalmatador Hermann Maier, der aber meint: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich auch wieder einen Riesentorlauf gewinne."

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