Reportage:: "Das ständige Piepsen geht mir schon auf den Geist"

11. Jänner 2004, 19:59
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Am ersten Werktag im neuen Jahr machten Bus- und Lkw-Fahrer erste Erfahrungen mit der Straßenmaut

Wien - "Mautaufsichtsorgan", antwortet Herr Köller auf die Frage nach seiner Berufsbezeichnung. "Nein, eigentlich heißt es ja ,Organ der öffentlichen Aufsicht', wenn man genau ist", wirft sein Kollege ein, während er an diesem Freitag den silbernen VW-Bus über die Südautobahn bei Wien gleiten lässt.

Recht haben beide - der Volksmund nennt sie anders: Herr Köller und Herr Kampits sind zwei der 100 Mautsheriffs, die seit dem 1. Jänner die Einhaltung der Mautpflicht auf den heimischen Autobahnen- und Schnellstraßen überprüfen.

Herr Florian dagegen ist Busfahrer. "Mit Leidenschaft", wie er sagt. Seit Freitag leidet er mehr als sonst. Sein erster Arbeitstag im neuen Jahr bringt den ersten Life-Kontakt mit der elektronischen Maut.

Piepsende Go-Box

"Ich bin nicht zufrieden - das ständige Piepsen geht mir schon auf den Geist", sagt Florian. "Andererseits: Wenn das Radio laut spielt, hört man das Piepsen gar nicht. Das ist auch nicht gut."

Das Piepsen kommt von der Go-Box, einem Plastikgehäuse in Passgröße mit elektronischen Innereien, die hinter der Windschutzscheibe knapp über den Scheibenwischern mittig festgeklebt wird. Beim Passieren einer Kontrollstation kommuniziert das Gerät über Mikrowelle mit dem dort installierten Sender.

Was das Piepsen bedeutet? Der Busfahrer greift zur Gebrauchsanleitung. "Auswendig weiß ich das noch nicht. Einmal piepsen: alles in Ordnung; zweimal piepsen: Pre-Pay-Konto aufladen; viermal piepsen: Go-Box nicht okay." Und dreimal piepsen? "Ist eine Info, dass der Bus gerade von einem Fahrzeug der Mautaufsicht kontrolliert wird."

220 Euro Strafe für Mautsünder

Wie von jenem, in dem Herr Köller als Beifahrer sitzt. Auf dem Schoß hat er eine mit dem hinter ihm stehenden PC verbundene Tastatur, auf dem die Daten der überholten Lkw aufscheinen. Kennzeichen, Art der Maut und etwaige Verstöße sind abrufbar. 220 Euro kostet es, wenn ein Schwerfahrzeug ohne Go-Box unterwegs ist, 110 Euro, wenn sie falsch eingestellt ist.

Um dies zu verhindern, ist Herr Martin da. Seit 6.30 Uhr steht er an der Raststation in Alland auf der A21 und ist Lenkern in Sachen Maut behilflich. Bezahlt wird er von Europpass, der von der Autobahngesellschaft Asfinag mit dem Betrieb der Maut beauftragten Gesellschaft. Die OMV-Tankstelle in Alland ist eine von 223 Vertriebsstellen, wo die Go-Box um fünf Euro das Stück abgegeben wird.

Von den knapp 400.000 mautpflichtigen Fahrzeugen hat bisher etwa die Hälfte eine Go-Box installiert. Der Rest wird sich ein solches Gerät vor der Benutzung von Autobahnen und Schnellstraßen besorgen müssen. Falls nicht, kommt Mautsheriff Köller zum Einsatz. Und das kann unangenehm werden - darf er doch laut Gesetz sogar Radklammern anlegen. Egal, wie er seinen Beruf nennt. (DER STANDARD Printausgabe, 03.01.2004, Günther Strobl, Michael Möseneder)

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