Terror ohne Anschlag

14. Jänner 2004, 20:14
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Die Angst vor dem Terror zerstört die Gemütlichkeit, die sich die Menschen im komfortablen Westen geschaffen haben - von Klaus-Peter Schmidt

Als wichtiges "Zeichen westlicher Freiheit" werden Passagierflugzeuge von Terroristen betrachtet, deshalb richten sie ihre Aktionen hauptsächlich gegen dieses Verkehrsmittel. So jedenfalls beurteilen US-Terrorbekämpfer die Lage und behindern den Luftverkehr durch immer drastischer werdende Sicherheitsmaßnahmen: Fluggäste werden stundenlang aufgehalten, harmlose Reisende peinlichen Durchsuchungen ausgesetzt, Passagiere stehen barfuß in Abfertigungshallen (weil ja vor einem Jahr ein Terrorist versucht hat, im Schuh einen Sprengkörper an Bord zu bringen).

Internationale Fluglinien werden zum Einsatz von bewaffneten "Sky Marshals" gezwungen (was britische Piloten zunächst mit dem Argument ablehnten, "dass damit mehr Schaden angerichtet wird, als dass es etwas nützt"). Abfangjäger eskortieren Urlaubssuchende beim Landeanflug in den USA.

So zeigt sich derzeit das "wichtige Zeichen westlicher Freiheit" - ein nicht sehr überzeugendes Symbol -, und es verschafft den Terroristen Erfolg, ohne eine Gewalttat ausüben zu müssen: Die Angst vor dem Terror zerstört die Gemütlichkeit, die sich die Menschen im komfortablen Westen geschaffen haben.

Bei aller Western-Mentalität - diesen andauernden, sich auf die ganze Welt ausweitenden psychischen Druck durch Gewaltandrohungen können nicht einmal US-Amerikaner auf Dauer erträglich empfinden. Die Medizin neigt dazu, in so einem Fall das Übel an der Wurzel behandeln zu wollen. Alarmstufe "orange" mit martialischen Menschenkontrollen würden Ärzte wahrscheinlich nicht einmal als professionelle Vorbeugung durchgehen lassen.

Mit großer Sicherheit würden sie es als wirkungslose Symptombehandlung abtun. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.1.2004)

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