Deutschland: Zuerst wird kassiert, dann behandelt

4. Jänner 2004, 20:51
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Gesundheitsreform bringt stärkere Belastungen als bisher bekannt - mit Kommentar

Berlin - Wer am Freitag in Deutschland zum Arzt ging, der musste zuerst einmal zehn Euro entrichten. "Erst zahlen, dann behandeln", hatte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Manfred Richter-Reichhelm, als Losung ausgegeben. Ausnahmen gibt es nur für Kranke, die akut behandelt werden müssen. Die sollen ihr "Eintrittsgeld" nachträglich berappen.

Gesundheitsreform

Am 1. Jänner trat die Gesundheitsreform in Kraft, die für die meisten Deutschen die auf den ersten Blick einschneidendsten Veränderungen mit sich bringt. Pro Quartal sind zehn Euro für einen Besuch beim Arzt fällig, Gleiches gilt für Zahnarztkonsultationen. Wer im selben Quartal noch andere Ärzte gebührenfrei besuchen will, muss sich eine Überweisung ausstellen lassen.

Außerdem müssen Patienten für alle medizinischen Leistungen zwischen fünf und zehn Euro mehr bezahlen. Dies gilt für Medikamente, Bandagen und Massagen.

Einige Hundert Euro pro Jahr

Wie Modellrechnungen zeigen, summieren sich die Zuzahlungen schnell auf einige Hundert Euro jährlich - vor allem wenn zu Praxisgebühren und Medikamenten noch eine Krankenhausbehandlung kommt. Pro Kliniktag, höchstens für 28 Tage, sind zehn Euro abzuliefern. Aufs ganze Jahr gerechnet, soll allerdings niemand mehr als zwei Prozent seines Bruttoeinkommens für Zuzahlungen aufwenden müssen.

Beratungen privat in Rechnung stellen

Außerdem dürften nach Recherchen des Magazins "Stern" auf Patienten noch stärkere Belastungen zukommen als bisher bekannt. Demnach wollen Ärzte künftig die Beratungen zu jenen Leistungen privat in Rechnung stellen, die die Kassen nicht mehr erstatten. Dazu zählen etwa die Verordnung von Brillen sowie die Verschreibung von Potenz-, Magen- oder Schmerzmitteln oder Medikamenten gegen Erkältungskrankheiten.

Verschreibung einer Brille kostet 25 Euro

Nach Angaben des Berufsverbandes der Augenärzte soll die Verschreibung einer Brille künftig 25 Euro kosten. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt riet am Freitag Kassenpatienten, die vom Augenarzt dafür eine Rechnung bekommen, die Praxis zu wechseln. (DER STANDARD, Printausgabe 3./4.1.2004)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin

Kommentar

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