"Bam war das Ende eines Irrtums"

5. Jänner 2004, 10:43
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Dankbarkeit gegenüber den ausländischen - auch den amerikanischen - Helfern

Teheran - "Bam war das Ende eines Irrtums. Die Welt weint mit uns und teilt mit uns. Diejenigen, die die iranische Anteilnahme für die amerikanischen Opfer in New York nie verstanden haben, wissen nun, warum wir am 11. September in Teheran Kerzen angezündet haben. Sie haben nur die Wahrheit ignoriert und die Menschlichkeit unterschätzt. Wir danken der Welt."

Medien berichten über ausländische Hilfe

So schreibt die eher konservative Zeitung Iran am Mittwoch auf der ersten Seite - und bringt damit die allgemeine Stimmung im Iran auf einen Nenner. Fast alle iranischen Medien - mit Ausnahme des staatlichen iranischen Fernsehens - berichten ausführlich über das ausländische Engagement im Iran und veröffentlichen Dankesbriefe der Bevölkerung an die ausländischen Helfer, die auch aus den USA gekommen sind.

Amerikaner an erster Stelle

Sogar die Revolutionsgarde als Eckpfeiler der konservativen Machthaber verteilte am Silvesterabend Blumen und Dankesbriefe an die Helfer aus aller Welt: Und es war gewiss kein Zufall, dass die Amerikaner die Ersten waren, die die Danksagungen in Empfang nahmen. "Das tragische Unglück und die massive Hilfe zeigen, dass Menschlichkeit noch immer eine wichtige Rolle spielt in einer Welt, die von Krieg und Terror dominiert wird", sagte auch Präsident Mohammed Khatami nach seinem Besuch in Bam. Liberale iranische Medien begrüßen außerdem die Lockerung der US-Wirtschaftssanktionen gegen Iran: Zum ersten Mal seit 23 Jahren wurden die Sanktionen zum Teil für neunzig Tage außer Kraft gesetzt, um Geldüberweisungen der US-Iraner an ihre Verwandten im Iran zu erleichtern.

Bam als Symbol einer neuen Welt

"Bam, unsere schöne alte Stadt mit ihren weltoffenen, freundlichen Bewohnern, die 2000 Jahre mit Stolz den Garten Eden auf Erden darstellte, wird vielleicht als Symbol einer neuen humanen Welt in die Geschichte eingehen", schreibt die Zeitung Sharg in einem Leitartikel. In höchstens 18 Monaten soll wieder Bam aufgebaut sein, hat die Regierung inzwischen offiziell bekannt gegeben. "Hoffen wir, dass diesmal endlich eine Versprechung wahr wird", schreibt die Zeitung Aftab. (DER STANDARD, Printausgabe 3./4.1.2004)

Von Amir Loghmany aus Teheran
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