Höllwarths nächster Anlauf

2. Jänner 2004, 19:14
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Am Bergisel in Innsbruck soll es mit dem ersten Tages-Sieg bei einem Tourneespringen klappen - Innauer: "Er ist in der Form seines Lebens"

Innsbruck - Gelingt nach den Rängen drei in Oberstdorf und zwei in Garmisch-Partenkirchen der große Coup? Martin Höllwarth unternimmt am Sonntag am Innsbrucker Bergisel einen weiteren Anlauf auf seinen ersten Tagessieg bei der Vierschanzen-Tournee. Nach insgesamt acht Podestplätzen ist bei der 13. Teilnahme der Premieren-Erfolg des Tirolers überfällig. "Höllwarth ist in der Form seines Lebens, das spürt man als Sportler", erklärte ÖSV-Sportdirektor Toni Innauer.

Der Familienvater Höllwarth nützte den Ruhetag am Freitag, um daheim in Telfs abzuschalten und neue Kraft zu tanken. Das Neujahrsspringen hatte das Nervenkostüm des 29-Jährigen doch ziemlich strapaziert. Sein finaler Sprung auf die Durchgangs-Bestweite von 121 m war perfekt, die Telemark-Landung makellos, dennoch zeigte keiner der Punkterrichter die Höchstnote 20,0. Verständlich, dass bei Höllwarth trotz des bisher besten Resultats auf der Olympia-Schanze der Ärger über so den knapp verpassten Sieg zunächst groß war.

Ärger schnell vergessen

Doch schon wenig später präsentierte sich bei der Pressekonferenz der andere Höllwarth. Ausgeglichen dank des Rückhalts, den ihm die Familie gibt (Sohn Nico wird im März zwei Jahre alt) und konzentriert auf das Wesentliche. "Ich bin mental besser vorbereitet als früher, will nicht mehr die Welt zerreißen und schieße nicht über das Ziel hinaus", sagte der aktuelle Tournee-Zweite. Früher habe er im Wettkampf alles zu perfekt machen wollen und das hatte sich oft negativ ausgewirkt.

Nun freut er sich auf den sonntägigen Heim-Bewerb in dem mit 22.000 Zuschauern ausverkauften Stadion (Freitag waren nur noch Restkarten verfügbar), in dem es bei der Tournee erst acht ÖSV-Erfolge gegeben hat, darunter drei durch Andreas Goldberger, und zuletzt 2000 durch Andreas Widhölzl. Höllwarth spricht nicht vom möglichen Sieg, aber er strahlt das nötige Selbstvertrauen aus. "Ich versuche, wieder mein gewohntes Programm durchzuziehen, mein Paket passt", sagte der Gewinner von bisher sechs Weltcup-Bewerben (zuletzt mit Double in Titisee-Neustadt im Dezember 2002).

Gesamtsieg derzeit kein Thema

Unter Druck gesetzt fühlt sich Höllwarth als größte ÖSV-Hoffnung auf einen Sieg aber nicht. Auch nicht wegen des doch großen Rückstands in der Gesamtwertung auf Sigurd Pettersen (26,8 Punkte). "Die Tournee scheint ja ohnehin entschieden zu sein. Wenn es doch noch klappen sollte, wäre es super. Die Chance ist jedenfalls da." Innauer weiß auch um die Stärke Pettersens, des Siegers von Oberstdorf und Garmisch, hat aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Der Druck bei der Tournee ist groß, auch er kann einen Fehler machen."

Pettersen, der zehn Jahre nach Espen Bredesen die Tournee gewinnen will, zeigte bisher kein Zeichen von Schwäche. Sogar der von Sven Hannawald vor zwei Jahren erstmals geschaffte Vierfach-Erfolg scheint für ihn möglich. "Ich werde mein Bestes versuchen", sagte er. "Ich spüre den Druck, aber ich kann damit umgehen. Das Wichtigste ist, Spaß zu haben", meinte der Musterschüler von Trainer Mika Kojonkoski.

Auch Morgenstern Anwärter auf Tagessieg

Thomas Morgenstern, der am Neujahrstag immerhin Rang acht belegt hatte, will auf der Bergisel-Schanze, die ihm besser liegt, seine Rakete zünden. Auch er ist ein Anwärter auf den Tagessieg. Das süße Gefühl des Erfolgs vor heimischen Fans hat Andreas Goldberger schon drei Mal erlebt, zuletzt allerdings vor acht Jahren. "Ich taste mich an größere Weiten heran, meine Formkurve steigt und ich freue mich auf Innsbruck", erklärte der Oberösterreicher, der 15. von Garmisch, dem am Bergisel stets Flügel zu wachsen scheinen.

Auf eine Trendumkehr auf dem heimischen Bakken müssen nach bisher schwachen Leistungen die Tiroler Florian Liegl, der Vorjahrs-Zweite, und Andreas Widhölzl hoffen. "Vielleicht gelingt es ihnen gerade auf jener Schanze, die sie so gut kennen, wieder die richtigen Bewegungsmuster abzurufen", meinte Innauer. (APA)

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    Höllwarth segelt.

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