UNO um Versorgung der Opfer bemüht

5. Jänner 2004, 15:51
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Arbeit an Zeltstadt begonnen - Hunderte Kinder auf der Suche nach ihren Familienangehörigen

Bam - Eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben in Iran bemühen sich die Vereinten Nationen um eine bessere Versorgung der Bevölkerung. Der UN-Koordinator Ted Pearn erklärte, bis Mitte kommender Woche solle festgestellt werden, wie die Einwohner der fast völlig zerstörten Stadt Bam künftig mit Wasser, Nahrungsmitteln und Unterkünften versorgt werden könnten. Diese Einschätzung solle dann der internationalen Gemeinschaft vorgelegt werden, um Geld zu sammeln.

Zeltstädte

Pearn erklärte, die internationalen Hilfsmaßnahmen kämen immer besser voran. So habe die Arbeit an einer von drei Zeltstädten begonnen, die insgesamt rund 40.000 Menschen Zuflucht bieten sollen. Elf Feldlazarette versorgten bereits Patienten. Der befürchtete Ausbruch von Seuchen blieb zunächst aus. Pearn erklärte, der Rote Halbmond habe von vereinzelten Fällen von Durchfall berichtet, könne jedoch keine Anzeichen für Epidemien erkennen.

In der Stadt Bam wurden die meisten Todesopfer inzwischen aus den Trümmern geborgen. Drei internationale Rettungsteams verließen am Freitag das Land, sieben blieben an Ort und Stelle. Pearn zeigte sich skeptisch angesichts von Berichten über Rettungen in den vergangenen Tagen. "Wir sollten den Menschen keine Hoffnung machen, dass ihre Angehörigen noch gefunden werden könnten", sagte er. "Die Nächte waren sehr, sehr kalt."

Anteilnahme

US-Präsident George W. Bush begrüßte, dass Teheran die amerikanische Hilfe für das Erdbebengebiet akzeptierte. "Wir zeigen den Iranern, dass das amerikanische Volk Anteil nimmt, dass wir großes Mitleid für menschliches Leid haben," sagte Bush in Texas. Er betonte, die USA unterstützten die Demokratiebewegung in Iran. Für eine Verbesserung der Beziehungen müsse Teheran jedoch inhaftierte Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida ausliefern, sein Atomprogramm aufgeben und das Land demokratisieren.

Ein iranischer Geistlicher kritisierte die US-Hilfe im Land. "Wir hassen die Arroganz der Amerikaner, und wir sind sicher, dass sie nicht aus humanitären Gründen hier sind, sondern für Spionage", erklärte Mullah Abdullah Irani. Allgemein waren die amerikanischen Helfer in Bam freundlich begrüßt worden. In einem US-Feldlazarett wurde am Freitag ein iranischer Soldat operiert, der bei dem Beben seine Familie verloren und daraufhin versucht hatte, sich das Leben zu nehmen. Er schoss sich mit einem automatischen Gewehr in den Fuß und war nach dem Eingriff in stabilem Zustand.

Suche nach Familienangehörigen

Das Kinderhilfswerk UNICEF erklärte, im Katastrophengebiet seien hunderte Kinder auf der Suche nach Familienangehörigen. Die Organisation unterstütze die Suche und habe Ausrüstung bereitgestellt, um die Kinder zu fotografieren. Viele Kinder seien schwer traumatisiert und nicht in der Lage, ihre Namen anzugeben. Die Hilfsorganisation World Vision schickte unterdessen einen zweiten Hilfsflug nach Bam. An Bord der Maschine waren Zelte, Decken, Öfen und Hygiene-Artikel. (APA/AP)

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    An die 40.000 Menschen sollen in den Zeltstädten Unterkunft finden.

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