Zeitpunkt für die Veränderung

29. März 2006, 14:56
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Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Österreicher wünscht berufliche Veränderung. Zwischen Traum und Wirklichkeit liegt oft eine lange Wartezeit, die zum Albtraum geraten kann

Manche träumen davon, noch einmal ganz neu - sogar in einem anderen Beruf - durchzustarten. Andere sind mit ihrem Gehalt unzufrieden, wieder andere mit dem Arbeitsklima, dem direkten Vorgesetzten, oder aber sie sehen ganz einfach für sich keine Perspektiven mehr in ihrer aktuellen Position. Dennoch schrecken sie davor zurück, dem Arbeitgeber "leise Servus" zu sagen, ehe der Leidensdruck unerträglich geworden ist. - Kein Wunder angesichts der derzeitigen Arbeitsmarktsituation, in der der Wiedereinstieg nach einem schief gelaufenen Sesselrücken länger dauern kann.

Günther Tengel, geschäftsführender Gesellschafter von Jenewein & Partner, nennt vier gute Gründe, auch in wirtschaftlich schlechteren Zeiten den Job zu wechseln: "Erstens, wenn Sie sich in Ihrem Job nicht mehr wohl fühlen und nicht mehr lieben, was Sie tun. Zweitens, wenn Ihr Unternehmen oder Sie selbst stagnieren oder in einem wenig erfolgreichen Umfeld agieren. Drittens, wenn Sie in die Umgebung exzellenter Topmanager kommen können. Viertens, wenn Sie woanders Verantwortung übernehmen und Mitarbeiter führen können." Der Headhunter ist der Überzeugung, dass man sachlich nichts so falsch machen kann, wie die richtige Gelegenheit zu verpassen.

Jobhopper oder Sesselkleber

Wer rasch wechselt, ist ein Jobhopper, heißt es, wer zu lange bleibt, gilt schließlich als Sesselkleber. Aber welche Verweildauer in einem Unternehmen ist angemessen? - Michael Larsen, Geschäftsführer der Mercuri Urval GmbH, will die Frage nicht generell beantworten, meint aber, "eine dreijährige Verweildauer wird im Allgemeinen als goldener Schnitt gewertet. Da war auch genügend Zeit, etwas zu bewegen, Leistungen zu vollenden und Erfolge vorzuweisen. "

Wenn jemand hingegen zehn Jahre in ein und derselben Position beim gleichen Arbeitgeber ausgeharrt hat, fragen sich Personalentscheider, wie groß seine Ambition und seine Selbstreflexion sind. Anders sieht es aus, wenn ein Arbeitnehmer innerhalb eines Unternehmens in einer Dekade in verschiedenen Funktionen tätig war.

Auch wenn es keinen Ort auf der Welt gibt, der mehr mit Bewegung zu tun hat als ein Flughafen, kann allzu häufiger Wechsel zum unerwünschten Karriere-Touch-down führen: "Bei Bewerbungen achten wir auf Stabilität in der bisherigen beruflichen Karriere, ausgeprägten Jobhoppern stehen wir eher skeptisch gegenüber", gesteht Kurt Waniek, Vorstandsdirektor des Vienna International Airport.

Plausible Jobwechsel

"Kontinuität ist ein wesentlicher Punkt", sagt auch Günther Kussmann. Der Personalchef von Mayr-Melnhof Packaging Austria GmbH evaluiert stets die Wechselfreudigkeit eines Bewerbers, weiß aber, dass Berufseinsteiger naturgemäß eine wesentlich kürzere Verweildauer vorweisen als Arbeitnehmer, die älter sind als 40 Jahre. Mit Buntheit im CV oder schillernden Unternehmensnamen allein kann man ihn allerdings nicht beeindrucken: "Mich interessiert, ob Jobwechsel mit Aufwärtsentwicklungen verbunden waren oder mit einem Metierwechsel."

Neben der reinen Auflistung der Arbeitsstellen, wie etwa "von 09/89 bis 03/03 bei der Firma xy als Sachbearbeiterin im Einkauf", empfiehlt es sich anzugeben, welche konkreten Aufgabenstellungen mit welcher Zielsetzung zu erledigen waren und welche Resultate man dabei erzielt hat. Zum Beispiel 20 Prozent Kosteneinsparung, zehn Prozent schnellere Abwicklung durch Einführung einer anderen Bestellabwicklung oder Ähnliches. Und - last but not least - was man an der jeweiligen Stelle dazugelernt hat. (DER STANDARD, Printausgabe vom 27./28. Dezember 2003)

Auszug aus Johanna Zugmanns "Bewerbungsberater Österreich", kürzlich erschienen bei Redline Wirtschaft im Ueberreuter Verlag
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