Euro-Prognose: Währungsexperten griffen viel zu kurz

19. Jänner 2004, 11:38
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Euro konnte bis Jahresende stärker zulegen als erwartet - Prognosewert wurde mit 1,2630 Dollar deutlich übertroffen

Wien - Weitaus dramatischer als von den Währungsexperten im Oktober 2003 bei der Alpbacher Zins- und Währungsprognose prognostiziert konnte der Euro bis Jahresende 2003 gegenüber dem US-Dollar zulegen. Keiner der sieben Experten hatte bereits bis dahin mit einer so eklatanten Dollarabwertung gerechnet. Statt eines erwarteten leichten Rückgangs auf durchschnittlich 1,1529 Dollar konnte die europäische Einheitswährung bis zum 31. Dezember überraschend auf 1,2630 Dollar (EZB-Referenzkurs) unerwartet kräftig zulegen. Mit 1,2647 Dollar wurde am Silvestertag im Devisenhandel zugleich auch der bisher höchste Wert seit der Euro-Einführung 1999 erzielt.

Die Währungsprognose der sieben Banken - Raiffeisen Zentralbank (RZB), Erste Bank, Investkredit Bank, ABN Amro, Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) und Innovest - anlässlich des Alpbacher Finanzsymposiums im Oktober war von unterschiedlichen Einschätzungen über die Konjunkturentwicklungen in Europa und den USA geprägt. Mehrheitlich wurde erwartet, dass der Euro bis Jahresende 2003 zunächst leicht abschwächen und sich dann bis Mitte nächsten Jahres wieder erholen wird, wobei auch neue Höchststände um 1,25 Dollar zur Jahresmitte 2004 nicht ausgeschlossen worden waren. Einig waren sich die Experten darin, dass die optische Euro-Stärke in Wahrheit eine Schwäche des Dollar ist.

"Zwillingsdefizit"

Grund für den in den Prognosen nicht eingetroffenen zunächst schwächeren Euro sollte das erwartete stärkere Wachstum der US-Wirtschaft gegenüber der Eurozone sein. Die fundamentalen Probleme der US-Wirtschaft - insbesondere das hohe "Zwillingsdefizit" von Budget und Leistungsbilanz - trat aber schneller in den Vordergrund als erwartet.

Mit ihrer Wechselkursprognose von 1,20 Dollar je Euro kam die Investkredit Bank der tatsächlichen Währungsrelation per Jahresende 2003 am nächsten, gefolgt von der ÖVAG (1,19) und der Erste Bank (1,18). RZB und Innovest prognostizierten 1,15 Dollar, ABN Amro und BA-CA bloß 1,10 Dollar.

Zum Jahresende 2002 ist der Euro mit 1,0487 Dollar bewertet worden. Das Jahrestief wurde am 8. Jänner mit 1,0377 Dollar erreicht, das Jahreshoch am 31. Dezember mit 1,2640 Dollar. Im Jahresverlauf 2003 hat sich der Euro-Wechselkurs zum Dollar somit um gut 20 Prozent verbessert.(APA)

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