"Bild" verliert deutlich Auflage

26. Jänner 2000, 13:39

Fernsehen als Konkurrenz

Die "Bild"-Zeitung, das auflagenstärkste Blatt Deutschlands, hat im vergangenen Jahr viele Käufer verloren. Die Zeitung setzte im letzten Quartal 1999 durchschnittlich 4,256 Millionen Exemplare ab. Dies waren 3,5 Prozent (153.000) weniger als im Vorjahreszeitraum, wie der Axel Springer Verlag (Berlin/Hamburg) am Mittwoch bestätigte. Damit hat die Auflage des Boulevardblatts, das Anfang der 80er Jahre bei fast 5,5 Millionen lag, einen Tiefstand erreicht.

"Bild"-Chefredakteur Udo Röbel machte in einem dpa-Gespräch für diese Entwicklung vor allem den verschärften Wettbewerb durch das Fernsehen sowie auch durch Anzeigenblätter verantwortlich. "Die Konkurrenz durch das Fernsehen wird immer größer". Wenn Privatsender in größer Ausführlichkeit etwa über den "Prügel-Prinzen" Ernst August von Hannover in Kenia berichteten, werde es am nächsten Tag zunehmend schwierig, aktuell zu sein. Druck gebe es für Kaufzeitungen auch durch Gratis-Blätter, die in verschiedenen Städten auf den Markt drängten. Springer hat die kostenlose Zeitung des norwegischen Schibsted-Konzerns in Köln in diesem Monat mit einer einstweiligen Verfügung vorläufig gestoppt.

Als weitere Ursache für die Krise sieht Röbel die Multimedia- Konkurrenz. Das Internet als "Medium der Zukunft" werde die Lesegewohnheiten verändern. Röbel betonte, dass die Auflage bei "Bild" im Gegensatz zu anderen Boulevardblättern bis Mitte 1998 relativ stabil geblieben sei. Nachteilig für den Verkauf sei 1999 der Kosovo-Konflikt gewesen. Die Bürger hätten auf den "Fernsehkrieg" mit "Informationsverweigerung" reagiert. Im Osten sei außerdem - dort erreicht "Bild" eine Auflage von 727.000 - eine "Marktsättigung" erreicht. Trotz der Verluste werde "Bild" bei seiner Linie als "seriöse Boulevardzeitung" bleiben, sagte Röbel. (APA/dpa)

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